Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

401 
ausdrücklicher Polemik auf das grade Gegentheil davon ge 
richtet worden waren. 
5. Die wissenschaftliche Axe dos Careyschen Systems ist 
von vornherein die Werththeorie gewesen und in allen ferneren 
Entwicklungen auch geblichen. In dem Grundwerk von 1837 
ist die Arbeit als einzige und überall erkennbare Ursache der 
Werthbestimmung anerkannt. Während Adam Smith und Ri 
cardo nicht nur noch andere Gesichtspunkte daneben hatten 
gelten lassen, sondern auch in der universellen Durchführung 
des Princips nicht bis an die äussersten Grenzen der auch mit 
anderartigen Kreuzungen verträglichen Anwendbarkeit vorge 
gangen waren, ist der Amerikanische Volkswirthschaftstheore- 
tiker dem natürlichen Zuge nach einheitlicher Bethätigung der 
Arbeitsidee gefolgt und hat so den Unterschied von Nutzen 
und Kosten sowie von Reichthum und Werth mit einer zuvor 
nicht vorhanden gewesenen Entschiedenheit sichtbar gemacht. 
„Nützlichkeit”, schrieb er schon damals, „ist die Vorbedingung, 
aber nicht die Ursache des Werths.” Die universelle Trag 
weite, welche diesem Satz für Alles gegeben wurde, was, be 
weglich oder unbeweglich, im Verkehr eine im Preise zum 
Ausdruck gelangende Geltung hat, machte das Charakteristische 
der neuen Theorie aus. Nutzen und Kosten Hessen sich nir 
gend mehr verwechseln; Naturstoif und Naturkräfte konnten 
an sich selbst keinen bezahlbaren Werth der fraglichen Art 
haben, und das gemeine Vorurtheil, als wenn die Naturdinge 
und unter ihnen auch Gold und Silber die Höhe ihrer Geltung 
im Verkehr etwas Anderm als der Arbeit zu verdanken hätten, 
musste vollends schwinden. Ausserdem fügte Carey zu dem 
bessern Werthbegriif aber noch ein Werthgesetz hinzu, dessen 
Neuheit und Originalität unverkennbar ist. Im Hinblick auf 
die fortschreitende Entwicklung der Volkswirthschaften hob er 
die Wahrheit hervor, dass nicht die Productionskosten, sondern 
die Reproductionskosten den Werth bestimmen. Da nun die 
letztem mit der technischen Vervollkommnung und mit der 
en gern oder sonst bessern Vereinigung der menschlichen Kräfte 
abnehmen, so ist in dieser Beziehung ein allgemeines Sinken 
der Werthe ein Grundgesetz des geschichtlichen Fortschritts 
der Völkerwirthschaft. Die steigende Civilisation und Cultur 
bringt die Minderung der für eine gleiche Erzeugnissmenge 
aufzuwendenden Arbeit mit sich. Nach Carey soll nun auch 
Dühring, Oescliichto der Nationalökonomie. 2. Auflage. 26
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.