Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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schichte die wirthschaftlich vorwiegende Macht. Die höhere 
Civilisation und Bildung hatte sich zuerst in den Italienischen 
Handelsrepubliken entwickelt, und ihnen folgten in der Bedeu 
tung für die Welt und im Kampfe um Handelseinfluss später 
hauptsächlich die Holländer, Franzosen und Engländer. Spanien 
hatte dagegen mehr die Rolle übernommen, eine Zeit lang durch 
Ausbeutung des neuerschlossenen Welttheils die Jagd auf die 
edlen Metalle typisch zu vertreten und auf diese Weise zu 
glänzen. In dieser allgemeinen Lage der Dinge war es sehr 
natürlich, dass überhaupt der gesammte Handel in der An 
eignung von Silber und Gold eine Steigerung seiner eignen 
Kräfte erblickte, und so befestigte sich die in ihrem sonstigen 
allgemeinen Ursprung sehr begreifliche Neigung, den Reichthum 
überall da anzunehmen, wo die edlen Metalle in reichlicher 
Menge angezogen und erworben werden konnten. Der Besitz 
der letzteren wurde als eine Errungenschaft des Handels an 
gesehen, die zugleich wiederum den Handel zu neuen Erfolgen 
befähigte. Mindestens galten Silber und Gold als Zeichen des 
Reichthums, wenn auch der heute oft gebrauchte Satz, dass 
Ulan amals den Reichthum habe in Gold und Silber bestehen 
assen, keineswegs zutreflend ist. Niemals war man so thöricht, 
( le verschiedenen Quellen des Wohlstandes und die wirthschaft- 
^hen Lebensbedingungen eines Volkes gänzlich zu verkennen. 
Höchstens haben hie und da einmal unkundige und beschränkte 
Schriftsteller, die noch nicht einmal immer die Oekonomie im 
Auge hatten, die Grenzen des gesunden Verstandes überschritten 
Und widersinnige Aussprüche gethan, die aus ihrem erklären 
den Zusammenhang entfernt und als Belägstellen angeführt, 
noch erst vollends zu literarischem Unfug werden. 
Was man aber wirklich that und was das auszeichnende 
Merkmal jenes Mercantilismus bildete, war die Unterwerfung 
jeder sonstigen natürlichen Betrachtungsweise der Reichthums 
quellen unter den leitenden Gedanken der wohlthätigen Wir 
kung des Besitzes edler Metalle. Man sah die Manufacturen 
und den Ackerbau vornehmlich darauf an, in welcher Weise 
«e zur Erzielung eines günstigen, mit dem Erwerb von edlen 
Metallen verbundenen Handels führen könnten. Man suchte 
also auch die Industrie nach ihrer goldbeschaffenden Kraft zu 
messen. Man wollte die Manufacturen gefördert wissen, weil 
nian in ihnen das Mittel sah, den angedeuteten günstigen Handel
	        
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