auszudehnen. In diesem Ideengange lag die bekannte Ansicht
eingeschlossen, dass ein Volk ini auswärtigen Verkehr eine
günstige Bilanz in der Gestalt eines in edlen Metallen von dem
Ausland zu zahlenden Ucberschusses erzielen müsse. So wurde
die Maxime der Politik, die Gunst oder Ungunst der Handels
bilanz als ein Zeichen des Erfolges oder der Schädigung anzu
sehen, ein ganz natürlicher und sehr begreiflicher Bcstandthcil
der mercan tilistischen Vors teil ungsart. Hiezu kamen die Port-
schlitte in der einheitlichen Gestaltung von Grossstaaten, und
cs wurde der IVcttkampf um den Handel, der durch seine neuen
oder näher gerückten Verbindungen einen weiteren Schauplatz
und durch die Metallzufuhren aus dem erschlossenen Welttheil
in der That ein verbessertes Werkzeug erhalten hatte, das vor
herrschende Gepräge der weiteren Geschichte. Die Vereinigung
von nur erst lose zusammenhängenden Nationalmasscn zu
Nationalstaaten trug nicht wenig dazu bei, den Begriff einer
eigentlichen Volkswirthschaft im Gegensatz zu andern Volks
wirt!] schatten herauszubilden. Jedoch blieb diese hochwichtige
Vorstellung bis auf die neuste Zeit mehr oder minder beengt,
weil sic ihren Schwerpunkt fast ausschliesslich in der Einheit
der Staatsfinanzen hatte und begreiflicherweise haben musste.
Hiemit hing es denn auch zusammen, dass man alle Maass-
regelu in erster Linie und meist sogar einzig und allein in
ihren Beziehungen zu den Bedürfnissen der Regierungen er
örterte. Diese Geldbedürfnisse und ganz besonders diejenigen
für die mit jener Staatenentwicklung und Staateneifersucht sehr
natürlich verbundenen Kriege trugen dazu bei, die Glieder in
der Ideenkette des Mercantilismus zu vervollständigen und den
Ring dieses Systems gleichsam zu schliesseii. Ueberall war es
dm auf das Geld gerichtete Zugkraft der Vorstellungen, welche
nicht nur in den praktischen Maassnahmen, sondern auch in
allen Erörterungen und Betrachtungen die Herrschaft führte.
Der Besitz der edlen Metalle als Wirkung und als Ursache,
als Erfolg und als Anregung der wirthschaftlichen Thätigkeiten
unter der Leitung des Handels; — dies ist, soweit überhaupt
ein paar Worte zur Kennzeichnung genügen können, die leitende
Idee des Mercantilismus gewesen.
4. Die genaue Bestimmung des mercantilistischen Irrthums
kann nur erfolgen, wenn man erwägt, dass der Fehlgriff auf
der blossen Abwesenheit einer freieren und mehr unmittelbaren