Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

Zug  besteht  in  dem  Bestreben,  den  Gedanken  der  Gerecht]o--keit
  überall  geltend  zu  machen.  Allerdings  dürfen  wir  uns
unter  dieser  Proudhonschen  Gerechtigkeit,  die  schon  in  seiner
ersten  Schrift  gegen  das  Eigenthum  eine  Rollo  spielt,  kein
allzu  feines  oder  gar  erhabenes  Gebilde  denken.  Trotzdem  ist
sie  aber  der  einzige  anerkennenswertho  Leitstern  gewesen,  der
im  Proudhonschen  Vorstellungskreis  bei  aller  sonstigen  Haltungslosigkeit ­
  doch  noch  eine  gewisse  Beharrlichkeit  ermöglicht
hat.  Dieses  bessere  Element  ist  als  eine  Mitgabo  des  vollesmassigen
  Denkens  zu  betrachten,  in  welchem  Proudhon  aufgewachsen
  war,  und  dem  er  durch  die  Launen  seines  zerfahrenen
  Studirens  nicht  ganz  entzogen  werden  konnte.  Doch
wir  wollen  der  ordnungsmassigen  Angabe  der  Hauptpunkte
seines  Schriftstellerlebens  nicht  vorgreifen.
Proudhon  (1809  65)  aus  Besançon,  ursprünglich  Schriftsetzer, ­
  bildete  sich  durch  allerlei  Leetüro  zu  einem  der  bizarresten,
  aber  durch  eine  gewisse  Lebendigkeit  und  Zuversicht
manche  Leser  anregenden  Schriftsteller.  Seine  erste  Arbeit
von  sehr  bekannt  gewordenem  Inhalt  war  ein  sogenanntes
Memoire,  welches  er  auf  Veranlassung  eines  Stipendiums  der
gelehrten  Gesellschaft  seiner  Vaterstadt  verlegte.  Unter  dem
Titel  „Was  ist  Eigenthum?"  behandelte  diese  Schrift  neben
allgemeinen,  so  zu  sagen  rechtsphilosophischen  Untersuchungen
besonders  die  berüchtigte,  gleich  an  die  Spitze  gestellte  Antwort; ­
  Eigenthum  ist  Diebstahl  (la  propriété  c’est  le  vol).  Der
Gedankengang  dieses  Opus  von  1840  ist  sehr  unklar  und  von
ziemlich  verworrenen  Ueberlieferungen  Deutscher  Philosophie
durchweht.  Ein  oberflächliches  Zerrbild  Kantischer  Antinomik,
verbunden  mit  einer  nach  dem  Muster  des  Hegelthums  missverstandenen ­
  logischen  Antagonistik,  spielt  hier  die  Rolle  eines
Zaubermittels,  durch  welches  über  den  Gegensatz  des  Eigenthums ­
  und  des  Communismus  hinausgegangen  und  als  höhere
Synthese  ein  Drittes  erreicht  werden  soll.  Dieses  Dritte  ist
jedoch  weder  in  dieser  ersten,  noch  in  den  folgenden  Schriften
verständlich  bestimmt  worden;  wohl  aber  haben  wir  in  einer
nachgelassenen  „Théorie  de  la  propriété"  (1865)  dio  Wiederholung ­
  von  Proudhons  anerkonnenswerthem  Geständniss  aus
dem  Werk  über  die  Gerechtigkeit  (Bd.  I  S.  353),  dass  er  sich
in  der  Annahme  der  Möglichkeit  einer  solchen  dritten  Gestaltung ­
  geirrt  habe  und  zu  jener  Idee  nur  durch  die  von  ihm
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.