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3. Die Lehre vom Werth ist der Prohirstein der Gediegen
heit ökonomischer Systeme. Grade aber in ihr ist es Herrn
Marx begegnet, sich in der ersten Auflage dos angeführten
Buchs so zu verwickeln, dass er in der zweiten den Rückzug
antreten und der bessern, ihm inzwischen nähergetretenen
kritischen Oekonomie einige stillschweigende Zugeständnisse
machen musste. Sogär den altfränkischen Sprachgebrauch, nach
welchem die Paarung und Entgegensetzung von Gebrauchs
werth und Tausch worth eine Hauptrolle spielte, hat er, soweit
es ihm die in der Eile möglichen, nur einige Capitel betreffen
den Umarbeitungen gestatteten, zum Theil abgelegt und ge
legentlich in den nun das sprachlich Schiefe an der Stirn
tragenden Antagonismus von Gebrauchswerth und Werth ver
wandelt. Die Komik liegt hier darin, dass halb und verdeckt
geschehen ist, was ganz und offen zu thun die persönliche
Eitelkeit verhindert hat, nämlich von den theoretischen Gegnern
die klare und fruchtbare Unterscheidung von Nützlichkeit und
Werth sowohl im Wortgebrauch als auch in der ganzen begriff
lichen Tragweite anzunehmen. Schon das 20. Capitel des
Ricardoschen, seit länger als einem halben Jahrhundert vor
handenen Buchs, hätte Herrn Marx den Weg der neusten
Oekonomie'auf seine eigne Weise annehmbar machen und so
gar als historisches Mäntelchen zur Verdeckung der Neuheit
der darunter angelegten Garderobe dienen können.
Entfernt man das dialektische Gestrüpp, welches Herr
Marx in der 2. Auflage selbst schon ein wenig zu lichten ver
sucht hat, vollständig, so zeigt sich nichts weiter, als die ge
wöhnliche, vornehmlich in der Ricardoschen Art und Weise
ausgeführte Lehre, dass die Arbeit Ursache aller Werthe und
die Arbeitszeit das Maass derselben sei. In völliger Unklarheit
verbleibt hiebei die Vorstellung von der Art, wie man den
unterschiedlichen Werth der sogenannten qualificirten Arbeit
denken solle. Die Hinweisung auf allgemeine durchschnittliche
Arbeit ist nur eine Umgehung der Antwort. Allerdings kann
auch nach uüserer Theorie nur die verwendete Arbeitszeit die
natürlichen Selbstkosten und mithin den absoluten Werth der
wirthschaftlichen Dinge messen; aber hiebei wird die Arbeits
zeit eines Jeden von vornherein völlig gleich zu achten sein,
und man wird nur zuzusehen haben, wo bei qualificirteren
Leistungen zu der individuellen Arbeitszeit des Einzelnen noch
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