502
zeit überhaupt nur da die Rede sein, wo man wirklich dem
Leitfaden dieser Arbeitszeit nach dem Grundsätze der völligen
Gleichheit folgt, in den Preisen aber ausserdem auch den Aus
druck der socialen Aneignungskraft anerkennt.
4. Was Herr Marx „capitalistischo Productionsweise”
nennt, hat nur ein einziges deutliches Kennzeichen an sich,
nämlich das der Unternehmerwirthschaft auf Grund der Lohn
arbeit. Jedoch soll diese capitalmässigo Art zu produciren
etwas den neuern Jahrhunderten ausschliesslich Angehöriges
sein. England gilt nicht nur in der Entwicklung dieser Wirth-
schaftsart als Musterland, sondern wird auch übrigens als der
typische Hauptträger derjenigen Entwickliingssteigerung an
gesehen, die zum Socialismus d. h. zur Abschaffung der Lohn
arbeit führe. Die hauptsächlichsten geschichtlichen Illustra
tionen, mit denen Herr Marx seine Vorstellungsart von der
capitalistischen Phase ausstattet, beziehen sich auf England
und hier besonders auf die Enteignung der individuellen Eigen-
thümer und selbständigen, mit eignen Arbeitsmitteln thätigen
Handwerker. Die kleinen Besitzer oder überhaupt die auf dem
Boden mit irgend einem Nutzungsrecht Ansässigen wurden im
Lauf der neuern Jahrhunderte vertrieben und gleichsam ex-
propriirt. Eine ähnliche Loslösung von den eignen Unterlagen
der Arbeit vollzog sich durch die Manufacturen. Die so ihrer
selbständigen Existenz Beraubten bildeten zusammen mit den
Nachkommen der Leibeignen das Contingent, aus welchem
sich der Wirthschaftsbetrieb der neuen Art, nämlich derjenige
mit Lohnsklaverei, bequem rekrutiren konnte. Eine Art „Re
servearmee”, welche aus den Candidaten der Armenunter
stützung und überhaupt allen zurückgesetzten, verwahrlosten
oder auch einfach zeitweilig unbeschäftigten Elementen bestand
und besteht, hat die Chancen der Unternehmer in der billigen
Rekrutirung stets erhöht und den Arbeitssold auch abgesehen
von den künstlichen Drückungsmaassregeln der Gesetzgebung
arg niedergehalten.
Diese historische Skizze ist noch das verhältnissmässig
Beste in dem Marxschen Buch und würde noch besser sein,
wenn sie sich ausser auf der gelehrten nicht auch noch auf der
dialektischen Krücke fortgeholfen hätte. Die Hegelsche Nega
tion der Negation muss hier nämlich in Ermangelung besserer
und fdarerer Mittel den Hebeammendienst leisten, durch welchen