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kündeten Sphäre des Gedankenlebens unseres Autors auf. Eilen
wir jedoch zum Ende. In derWuth, sich verschmäht und in
seinem vermeintlich sehr klug betriebenen Unternehmen schliess
lich überholt zu sehen, wollte er sich im Wege des Duells
rächen, welches er sonst principiell abgewiesen hatte. In einem
Berliner Falle war die Folge einer solchen philosophischen
Frincipienconsequenz einmal eine Frügelaifaire gewesen. In
Genf aber sollte der Bruch mit dem Princip noch schlimmere
Folgen haben. Die Kugel des geforderten Gegners wurde in
eine Partie des Unterleibs dirigirt, welche die Schrift des
Herrn Bernhard Becker (Enthüllungen über das tragische Le
bensende F. Lassalles, Schleiz 1868) nicht näher bezeichnet.
Man sieht, dass der Ausgang weit davon entfernt war, tragiscli
zu sein. Ueber die letzten Tage fehlt es bis jetzt an verläss
lichen Nachrichten, und werden dieselben auch schwerlich je
mals zu haben sein. Eine letzte Willens Verfügung gab noch
nach dem Ableben Stoff zu Streitigkeiten, deren Natur ganz
dem Geiste entsprach, in welchem der Testirer seine und fremde
Angelegenheiten geführt hatte. Wer sich für die Verwicklungen
interessirt, die das klägliche Ende vorbereiteten, findet in dem
offenbar ehrlich gemeinten und gutgläubigen, auch keineswegs
schmeichelnden Schriftchen des genannten, von Lassalle selbst
zum Nachfolger in der Leitung des Arbeitervereins designirten
Mannes eine ansehnliche Anzahl von Thatsachen und viel brief
liches Material aus dem Kreise der verschiedensten betheiligten
Personen.
Wir würden auf eine scheinbar blos private Angelegenheit
nicht näher hingewiesen, sondern einfach das Ende angegeben
haben, wenn nicht grade hier die sprechendsten Züge für die
Eigenart und Unzulänglichkeit des Acteurs zu finden wären,
den Manche für eine besonders männliche Natur oder gar für
den Träger einer eisernen Willenskraft gehalten haben. Seine
Sucht, sich nach seiner Art elegant, dabei aber trotz der von
Paris bezogenen Wäsche doch etwas orientalisch plump mit einci-
reichen Toilette auszustaffiren, ist nur ein vereinzeltes Symptom
seiner gesammten Haltung gewesen. Wie mit seinem Namen,
so glaubte er auch mit seiner Person verfahren zu müssen.
Er hätte gern mit dem ersteren auch seine Race gemodelt.
Aber alle salonmässigen äussern Yerzierungsversuche, denen
er in seinem üppigen Leben huldigte, konnten das Innere nicht