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rimgen stützten. Lassalle hat nicht nur zu feudalen Zeitungen
seine Zuflucht genommen, um dort das zu sagen, was von der
hourgeoismässigen Presse unterdrückt wurde, sondern er hat
auch einige, freilich ziemlich entfernte Beziehungen zu dem
ministeriellen Leiter der Preussischen Regierung gehabt. Diese
Verhältnisse sind bis jetzt noch nicht völlig aufgeklärt; aber
im Grossen und Ganzen wird man schwerlich etwas Erheb
liches constatiren, was mehr enthielte, als das, was schon aus
den verschiedenen politischen Pamphlets unseres Acteurs zu
entnehmen ist. An Berührungen analoger Art hatte es ja
auch bei Louis Blanc und bei Proudhon nicht gefehlt. Der
grössere Anstand, ja man kann sagen eigentliche Würde war
zwar nur bei Louis Blanc anzutreflen gewesen, der mit Louis Bo
naparte, aber nicht mehr mit dem Vollbringer des Staatsstreiches
oder gar mit dem zweiten Kaiserreich Beziehungen gehabt
hatte. Proudhon war aber in seiner Art und Weise und in
seinen Schriftenwidmungen zu bizarr und hielt viel zu ent
schieden an der Revolutionsgerechtigkeit fest, als dass man die
gelegentlichen Kreuzungen und Berührungen mit den Feinden
seiner Gegner, sei es in der Anschauungsweise, sei es in uner
heblichen äusserlichen Beziehungen, zu hoch anschlagen könnte.
Bei einem Lassalle kam freilich ausser der gewöhnlichen Eitel
keit auch noch diejenige hinzu, welche gern den Juden ausge
zogen oder wenigstens durch das Eintreten in eine vornehmere
Atmosphäre ein wenig verhüllt hätte. Nach Bernhard Beckers
Agitationsgeschichto (S. 25) hat er sich sogar selbst in dieser
Richtung vertraulich ausgesprochen: „Es giebt vorzüglich zwei
Classen von Menschen, die ich nicht leiden kann, die Literaten
und die Juden — und leider gehöre ich zu beiden.” Wie er
den ihm zu jüdisch klingenden Namen französirt hatte, so
haschte er auch offenbar danach, demselben durch die Be
rührung mit aristokratischen und bisweilen nicht einmal so
überaus ungleichartigen Existenzen eine Folie und zugleich
seiner Agitation einen politischen Rückhalt zu geben. Die
Verfolgungen durch Criminalproccsso thaten bei ihm nichts zur
Sache, indem er sich die Würdelosigkeit von Beziehungen, die
mit solchen Gestaltungen vereinbar waren, gefallen Hess. Doch
ich kann hier nicht in eine Zergliederung von Verhältnissen
eingehen, die in ihrer allgemeinen Gestaltung jedem politisch
Erfahrenen bekannt sind, und bei denen die ihren Lauf