Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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Verhältnisse zu bieten vermag. Auf Deutschem Boden von 
pietistischen Pflanzungen communistischer Farbe, wie z. B. der 
Wernerschen in Würtemberg, auch nur summarisch zu reden, 
würde solchen bigotten Winkelexistenzen zuviel Ehre anthun 
heissen. Wo dagegen, wie in Nordamerika, die religiös com- 
munistische Phantastik gelegentlich freier und stets ökonomisch 
umsichtiger auftritt und sich bisweilen Gebilde ergeben, die 
den düstern und finstern Ansichten das grade Gegentheil, näm 
lich den vollsten Lebensgenuss als Princip entgegensetzen, da 
kann die Notiznahme auch einmal lehrreich ausfallen. Sie kann 
nämlich zeigen, dass jegliche Gestaltung der Religion als so 
ciales Bindemittel auch im besten Falle nur zu unklaren Zu 
ständen führt und daher nur ein Hinderniss für die natürlichen 
und scharfen Abgrenzungen der socialistischen Verhältnisse 
bildet. So lebt z. B. das nur nach Hunderten zählende Völk 
chen der Oneidacommimisten unter seinem Papst Herrn Noyes 
offenbar in irgend einer Art Weibergemeinschaft, Wie sich 
aber diese Gemeinschaft praktisch gestalte, lässt sich weder 
aus den Berichten der Besucher noch aus den eignen litera 
rischen Productionen dieser Gruppe entnehmen. Es ist diese 
Nebelhaftigkeit, die sich nur unter dem Regime verworrener 
religiöser Gefühle und durch die Unterordnung unter, eine Art 
kleinen Papstes erklärt, um so interessanter, als sonst die 
Oekonomie, welche hauptsächlich auf der Fabrication stähler 
ner Thierfallen beruht, gut geordnet ist und nur eine äusserst 
geringe Arbeitszeit erforderlich macht. Aus der eignen Drucke 
rei dieser Secte und bearbeitet von ihrem Oberhaupt ist 
sogar eine „ Geschichte des Amerikanischen Socialismus” 
(J. H. Noyes, History of American socialism, Philadelphia 1870) 
hervorgegangen. Sie behandelt das Owenitenthum und den 
Fourierismus nicht ohne Geschick und Witz, hält sich aber 
übrigens ausschliesslich an den religiösen Gesichtspunkt. Der 
Oneidaglaube an eine einstige irdische Abschaffung des phy 
sischen Todes ist um nichts verkehrter, als der bei uns grassi- 
rende philosophastrische Skandal einer einstigen Weltabschaf 
fung durch Menschenbeschluss. Nur hat die Amerikanische 
Secte mehr Logik, Eleganz und gutartigen Sinn voraus. Sie 
ist anscheinend mehr Selbsttäuschung und kann daher mit un- 
serm mystischen Humbug sogenannter Philosophen eigentlich 
nicht ohne Unrecht, wenigstens nicht moralisch verglichen
	        
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