Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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Ambition verletzt worden und konnte es nicht werden, weil 
sie — nicht vorhanden war. Einen geistig hervorragenden 
oder auch nur einigermaassen talentvollen Führer in ihrer 
Mitte zu besitzen, haben diese Herren nicht die Ehre. Im 
besten Falle haben es Einzelne unter ihnen zu compilatorischen 
Monographien gebracht; übrigens zehren sie von Abfällen aus 
Marx’, Lassalles und meinen Schriften, wobei sie das Auf 
gegriffene nicht blos in bunter Mischung mit anderer, oft recht 
unsauberer Waare verhökern, sondern auch wirklich in ihren 
Hökerstil übersetzen. Ihre schaalen Erzeugnisse finden wenig 
Leser, trotz der Eisenacher Yersicherungsanstalt auf gegenseitige 
Glorification und trotz der universitären und andern Zeit 
schriften, in denen sie nicht nur sich gegenseitig mit sehr un- 
genirter Lobertheilung bedienen, sondern auch durch Ver 
schweigung oder Entstellung alles Gegnerischen ihre Reclame 
für sich verstärken. Oder was hätten die Herren Schmoller, 
Scheel, Wagner, Brentano, Schönberg, Held und Aehnliche 
denn noch Anderes aufzuweisen als jene nicht beneidenswerthe 
literarische Erfolglosigkeit, die um so beschämender ist, als 
der Aufwand an raffinirten Kunstmitteln der Reclame und der 
universitären Coteriepropaganda wahrlich nicht gering ausge 
fallen ist und stets hülfreich fortdauert! Der Glaube, der ja 
auch sonst häufig das Wissen ersetzt, muss auch hier gelegent 
lich und zwar unter dem Namen Ethik den mangelnden Credit bei 
dem Publicum ergänzen helfen. So hat z. B. der oben genannte 
sehr ethische Herr Adolph Wagner seine schwerfällige, eine 
Art literarischen Rattenkönig bildende Zettelbankcompilation, 
die zum buchhändlerischen Ladenhüter geworden war, dem 
Publicum nach einigen Jahren als „zweite theilweise umge 
arbeitete und vervollständigte Ausgabe” aufethisirt. Das Hoch- 
ethische bestand hier eben darin, dass die Käufer, die kaum auf 
den buchhändlerischen Unterschied von Auflage und Ausgabe 
achten, geschweige den ethischen Bastard einer zweiten ver 
besserten Ausgabe wittern können, falls sie nicht etwa in die 
Pseudoethik dos Herrn Wagner praktisch und intim eingeweiht 
sind, nothwendig zu dem Irrthum verleitet werden mussten, es 
liege eine wirkliche zweite Auflage, d. h, ein abgesetztes und nun 
neu gedrucktes Buch vor, während in der That nur das alte 
liegengebliebene Stückwerk mit dem ebenfalls recht ethisch 
mehrere Jahre vorenthaltenen Schlussstück und einigem nach-
	        
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