Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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ÍAolirte Redewendungen muschen lässt. Einige entscheidende 
Stellen genügen vollkommen, um eine ganz unzweideutige 
llechonscliaft zu geben. Der Sachverhalt ist in dieser Rich 
tung um so wichtiger, als man sonst geneigt sein könnte, die 
Kultur der volkswirthscbaftliclien Ideen in England ebenso von 
derjenigen des Festlandes sondern zu wollen, wie dies für die 
tjcschichte der Philosophie nothwendig ist. Alsdann würde 
man die geistig'en Vorgänge auf der Insel in Rücksicht auf die 
Ausbildung einer Volkswirthschaftslehre als eine verhältniss- 
mässig isolirte Gruppe von Thatsachen und Gedanken anzu 
sehen und den dortigen Theorien eine von vornherein über- 
iegene Rolle zuzuschreiben haben. Hiezu ist indessen keines 
wegs dasselbe Maass von Gründen vorhanden, wie im Gebiet 
der Philosophie. Es giebt hier keinen wirthschaftlichen Be- 
griffskriticismus, der dom philosophischen Vorgehen eines Locke 
entsprochen und hinterher, nach einer Schottischen Verfeine- 
imng, in Deutschland seine tiefer denkenden Fortsetzer gefunden 
hätte. Nur soviel ist allerdings als gemeinsam anzuerkennen, 
dass die Ausbildung einer Volks wirthschaftslehre in England 
nachher da am besten gelungen ist, wo sich die Philosophie 
‘tm entschiedensten gefördert fand. Wir werden später sehen, 
wie in Hume beide Gebiete ihre tiefsten Wurzeln geschlagen 
haben, und wie innerhalb des gleichartigen und zum Theil ge 
meinsamen Gedankenkreises Adam Smith die Kraft schöpfte, 
sein epochemachendes Werk abzufassen. 
Hätte Locke etwa ebenso dem Ursprung wirthschaftlicher 
ßegrilfo nachgeforscht, wie er dies bezüglich der metaphysischen 
^üd philosophischen Vorstellungen gethan hatte, so winden 
wir schwerlich in der Nothwendigkeit sein, die mercantile Rich 
tung seines Gedankenlaufs festzustellen. In dieser Beziehung 
erhob er sich nämlich sowenig über die vorherrschenden Ideen, 
(lass er sogar bessere Einwendungen nicht zu würdigen wusste. 
Letzteres zeigt sich z. B. in einer Stolle über die Handels- 
hilauz (Betrachtungen über Zinserniedrigung etc., im ange 
führten Bd. V S. 17)i Dort enthält der von ihm abgedruckte 
Gegenein wand, es werde schliesslich meist in Gütern gezahlt, 
und das Gold werde dann im Lande nicht verringert, bereits 
eine Andeutung der späteren Theorie, und wenn man auch vom 
ueusten Standpunkt aus sogar die schliessliche Smithsche Fas 
sung selbst für einseitig erachten muss, so war doch Alles, was auf 
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