Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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dieselbe hinarbeitete, als Fortschritt zu betrachten. Nun ver 
kannte aber Locke den bessern Bestandthcil der gegnerischen 
Anführung bis zu dem Punkte, dass er sich sogar zu einer 
höchst zuversichtlichen und verächtlichen Ausdrucks weise be 
wogen fand. Hiebei tritt es in seinem Gedanken mit mehr als 
hinreichender Deutlichkeit hervor, dass er in der gröbsten Weise 
dem Leitfaden der edlen Metalle folgt und sich gar nicht vor 
zustellen vermag, wie zwischenWerthsummo und Geld cinUntcr- 
schied bestehen könne. Seine Idee von der Bilanz ist nämlich 
die ganz gewöhnlich mercantilistische, derzufolgo zwischen den 
Ländern alle Ausgleichungen des Werthuntersehiedos zwischen 
Einfuhr und Ausfuhr unbedingt und ausschliesslich in edlen 
Metallen erfolgen müssen. Wie er sich aber auch den lleich- 
thum noch ernstlich mercantilistisch vorstellt, zeigt folgender 
Satz derselben Abhandlung (S. 13); „Reichthümer bestehen 
nicht darin, mehr Gold und Silber zu haben, sondern darin, 
davon im Verhältniss zu der übrigen Welt oder unsern Nach 
barn mehr zu haben.” Die Aufspeicherung der edlen Metalle 
soll, wie der weitere Zusammenhang noch ausdrücklich bestätigt, 
ein Volk in den Stand setzen, sein Hebergewicht über die an 
dern weniger versehenen Nationen geltend zu machen und sich 
ein grösseres Maass von Bequemlichkeiten zu verschaffen. Heber 
haupt kennt Locke nur zwei Wege der Bereicherung ver 
mittelst der edlen Metalle, nämlich Eroberung und Tribut einer 
seits und Handel andererseits. Indem er den ersteren von 
seinem philosophischen Standpunkt aus verwirft, bleibt ihm nur 
eine ziemlich grobe Gestalt der mercantilistischen Anschauungs 
weise übrig. Der wörtliche Ausdruck jenes Gedankens (auf 
der zuletzt angeführten Seite) ist entscheidend : „In einem 
Lande ohne Bergwerke giebt es zum Rciehthum nur zwei Wege, 
Eroberung oder Handel”. Wer hienach noch daran zweifeln 
sollte, dass Lockes wirthschaftlicho Erörterungen in den maass 
gebenden Hauptpunkten den vorwiegenden Meinungen folgten 
und in dieser Beziehung keine Originalität in Anspruch zu 
nehmen haben, wird wohlthun, sich mit dem Wesen des Mor- 
cantilismus strenger vertraut zu machen und dann zu unter 
scheiden, wo die gröberen und die feineren Artungen dieses 
Vorstellungskreises zu suchen sind. Unseres Erachtens hat 
zwar Locke den Vortheil einer ziemlich klaren Ausdrucksweiso 
und eines meist gesunden Verständnisses der Verhältnisse für
	        
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