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presser im wirthachaftliclien Verkehr auch den Dürftigsten uud
Schwächsten gegenüber an deren zahmer Selbsterhaltung findet.
Die eine Seite dieser Anschauung ist nun zwar richtig, sobald
man sie streng nimmt; denn nicht der Einzelne, sondern nur
die Species, der er zunächst in wirthschaftlicher Hinsicht, also
etwa als Arbeiter dieser oder jener Gattung angehört, ist vor
der Zerstörung schon durch den natürlichen Verlauf der Ver
hältnisse im Allgemeinen gesichert. Wenn aber im Hinblick
auf diesen dürftigsten Schutz das Waltenlassen der Natur von
Boisguillebert noch als eine Handlung hingestellt wird, die eine
Vorbedingung der Erzielung jenes grossen Schutzresultates sei,
so begreift man kaum, wie die Logik in dem Affect dieser
Gleichnisspoesie bis zu einem solchen Punkt untergehen konnte.
Ja selbst wenn man jene Stelle als den bittern Ausdruck eines
leidenschaftlichen Hohnes über die Thatsachen nehmen wollte,
würde doch die Einstreuung des Gedankens an das Walten
lassen der Natur und dessen günstige Folgen wieder die völligste
Selbstironie bezeichnen. Es bleibt also nichts übrig, als anzu
nehmen, dass der Autor in diesem Falle besser gefühlt als
gedacht habe, so dass es ihm unwillkürlich begegnet ist, den
einen Gedanken durch den andern zu comprornittiren. Wer
das laisser aller zu verherrlichen wünscht, wird sicherlich nicht
erbaut sein, wenn er die Naturgeheimnisse desselben in jener
kühnen Vergleichung bis in das innerste Heiligthum hinein
blosgestellt und davon noch weit mehr enthüllt sieht, als was
die späteren Ideen über das Untcrhaltsminimum unabsicht
lich vertreten haben. Wer dagegen von dem völlig entgegen
gesetzten Standpunkt ausgeht, wird zwar jenes Grundgerüst
in der Ordnung der Natur als eine äusserste Schranke gelten
lassen und von dieser Basis aus die Grenzen begreifen, inner
halb deren sich die Erscheinungen des wirtUschaftlichen Seins
Und Nichtseins unter allen Umständen halten müssen, aber
er wird jeden Versuch, diesen rohen Mechanismus einer Art
von Naturzustand zu einem Oulturideal zu machen, als einen
Hohn auf die Hülfsmittel der bewussten Thätigkeit und Lei
tung ansehen müssen.
Erinnern wir uns nach Betrachtung jener bedeutsamen
Stolle an den gerechten und billigen Verkehr, durch welchen
der wahre Werth als Preis zur Geltung kommen soll. Diese
Idee ist offenbar eine täuschende, weil sie eine Anweisung auf