neSwegs behaupten, daß das konservative Prinzip nur zur
Vorenthaltung der Gerechtigkeit gedient habe. So lange
das Pinzip der Gewalt die Menschen beherrscht, streben die
Unterliegenden nicht darnach, das Recht wiederherzustellen,
sondern vielmehr Macht an sich zu reißen, um gleichfalls
Unrecht begehen zu können. Die Masse, welche Einige
auf Kosten Anderer leben sieht, möchte gerne ein Gleiches
thun, und würde, wenn dies gelänge, ein regelloses Plünvern
all die Stelle geregelter Privilegien setzen. Dies ist
auch im Geschichtsverlaufe roher Zeiten geschehen, fast so
oft die unkultivirte Atasse die sie niederdrückende Macht
durchbrach. Alls bitterer, schreckenerregender Erfahrung war
man gegen die Fordenmgeil der Masse mißtrauisch geworden.
Man fühlte zwar das Ueble des Bestehenden, aber man
fürchtete sich, größeres Uebel aus desseil Auflösung hervorgehen
zll sehen. Man erkannte zwar, daß Reformen
ilöthig wären; aber es fehlte die hinlängliche Einsicht zum
sichern Bessermachen; und man durfte sich am allerwenigsten
dem Drange einer Zeit überlassen, in welcher das Rechtögefühl
noch nicht völlig die Gesellschaft durchdrungen hatte.
Daher entwickelte sich das konservative Prinzip aus der Nothwendigkeit,
auf dem geregelten Unrecht gegen regelloses Unrecht
Stand zu halten, — das größere durch das geringere
Uebel abzuwehren; und es hat hierill seine guten Dienste geleistet.
Wenn aber die Ueberzeugung, daß Keiner auf Kosten
der Anderll genießen darf, die ganze Gesellschaft durchdrungen,
und somit das Recht völlig die Herrschaft des Gewaltprinzips
gebrochen hat, alsdann ist ein konservatives