Contents: Strukturwandlungen der Weltwirtschaft

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Bernhard Harms 
Ka 
Vortheil, welchen die Völker durch ihre Territorien rücksichtlich der 
Roh- und Hilfsstoffe für die Fabrikation besitzen, gemindert, da- 
gegen andererseits aus derselben Ursache die Wirkungskraft der Vorzüge, 
welche einem Volke in der menschlichen Arbeitskraft und in den erhal- 
tenen Resultaten der Production in früheren Zeiten (in dem Capitale) 
gegeben sind, erhöht wird.« Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß 
die Entwicklung schließlich zu ihrem Ausgangspunkt zurückstrebt. 
Praktisch geschah dies zunächst innerhalb der alten Industrieländer 
Europas und in den Vereinigten Staaten von Amerika, ein Prozeß, 
der unter dem Zeichen der »Umorientierung nach der Rohstoffbasis« 
gerade in neuerer Zeit wieder lebhaft in Fluß gekommen ist. Zahllose 
Beispiele aus fast allen Volkswirtschaften könnten mühelos aufgeführt 
werden. Verhältnismäßig früh wurde diese Entwicklung auch international 
von Bedeutung. Nur um zu zeigen, was gemeint ist, sei auf die Rohjute 
Bengalens verwiesen. Sie wurde ursprünglich bis zur letzten Faser 
nach England und dem europäischen Festlande gebracht und ging 
von dort zu erheblichem Teil in Form von Kaffeesäcken nach Brasilien 
oder als Packleinen für Baumwolle wieder nach Indien. Später ent- 
standen jedoch in Kalkutta Jutefabriken, von denen nunmehr Brasilien 
seine Säcke und der indische Baumwollpflanzer sein Packleinen un- 
mittelbar beziehen. Auf gleicher Ebene liegt das Emporkommen der 
Baumwollindustrie in Bombay und, erheblich früher, in den Vereinigten 
Staaten. Auch die Entstehung von Ölmühlen in den Tropen, von Reis 
mühlen in Birma, Siam und Indochina, von Weizenmühlen in den Ver- 
einigten Staaten und Kanada, von Raffinerien in den Erdölländern, vor 
Verhüttungsanlagen in Australien ist so zu erklären. Unschwer ließen sich 
in fast endloser Folge weitere Beispiele anführen. Diese Entwicklung steht 
in den wirtschaftlichen Neuländern, den klassischen Rohstoffgebieten, 
noch im Anfang und hat dort bisher überwiegend nur die ersten StadieP 
der Verarbeitung erfaßt; sie ist jedoch unaufhaltsam, weil sie auf dem Wege 
der Rationalisierung liegt. Treffend hat dies wiederum Karl Knies vor 
ausgesehen: »Indem der Verkehr Alles gleicher gestaltet, was gleich 
gemacht werden kann, muß die Wirkung dessen, was ungleich verbleibt, um 
so stärker hervortreten.« Das Ungleiche aber ist letztlich die Differenzierung 
in den Rohstoffpreisen. Je mehr die Rohstoffländer die kultürlichen Pro: 
duktionsbedingungen erwerben, desto wirksamer wird ihre Rohstoffüber” 
legenheit. Daß sie auf diesem Wege voranschreiten, dafür sorgt einerseits 
der europäische und amerikanische Kapitalismus, der diese Gewinnchance? 
ausnutzt. Es ist immerhin lehrreich, daß die Industrialisierung Indiens 
mit Ausnahme der Baumwollindustrie in Bombay, die vornehmlich durch 
die Parsen bewirkt wurde, von englischen Kapitalisten in die Weg® 
geleitet worden ist. Anderseits hat hier die Raumwirtschaftspolitik
	        
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