Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

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PREUSSEN  —  Land  und  Leute  (Geburts-  und  Sterbfälle).
Nach  1843  ward  die  Zunahme  viel  geringer,  und  bei  der  Aufnahme
von  1855  ergab  sich  in  vielen  Bezirken  sogar  eine  positive  Verminderung. ­
  Nach  der  (übrigens  noch  nicht  definitiv  festgestellten)  Aufnahme ­
  von  1855  war  der  Gesammtzuwachs  in  den  3  letzten  Jahren
nur  noch  266,593  Personen,  *d.  h.  1,57  Proz.  ;  in  der  vorgängigen
Periode  war  er  noch  3,30  Proz.  gewesen.  Es  ist  dies  die  geringste
Zunahme  seit  regelmässige  Zählungen  stattfinden.  Theuerung,  IJeberschwemmungen
  und  Seuchen  (Cholera)  wirkten  diesmal  zusammen,
besonders  in  Schlesien,  dann  auch  in  Ostpreussen  und  Posen,  ferner
in  Westfalen  (Reg.-Bezirk  Minden)  und  Rheinland  (Bezirke  Koblenz,
Trier  und  Hohenzollern).
Geburten  und  Sterbfalle.  Man  zählte:
Jahr  Geburten  Sterbfälle  Ueberschuss
1858:  659,122  521,196  137,926
1854:  648,649  500,737  147,912
Im  Durchschnitte  der  37  Jahre  von  1817—54  kam  jährlich  eine
Geburt  auf  24,95  und  ein  Sterbfall  auf  34,33  Einw.  Das  Verbaltniss
hat  sich  in  der  neuern  Zeit  verschlimmert  :
Jahr  1  Geburt  auf  1  Sterbfall  auf  Jahr  1  Geburt  auf  1  Sterbfall  auf
1816  :  23,10  Lebende  36,05  Lebende  1834  :  24,27  Lebende  31,86  Lebende
1819:  22,28  -  32,83  -  1837:  25,27  -  32,14
1822:  23,19  -  37,09  -  1840:  25,40  -  35,66
1825  :  23,41  -  37,44  -  1843:  25,60  -  34,80
1828:  25,48  -  34,13  -  1853:  25,66  .  30,57
1831:  26,58"  -  28,18  -  1854:  26,11  -  33,82
Das  Verhältniss  der  unehelichen  zu  den  ehelichen  Geburten
schwankte  1816—43  zwischen  1  zu  12,66  und  13,79.  Die  einzelnen
Regierungsbezirke  bieten  starke  Gegensätze  dar.  So  kam  (nach  Reden)
je  eine  uneheliche  Geburt  im  Regierungsbezirke
Potsdam  (Berlin)  auf  4,69—5,63  ehe!.  Dagegen:  Münster  auf  27,71—36,99  ehel.
Liegnitz  -  7,98—9,15  -  Coblenz  -  28,51—35,82  -
Stralsund  -  8,19—9,20  -  Aachen  -  27,94—32,94  -
Breslau  -  8,25—9,30  -  Düsseldorf  -  24,86—31,01  -
Trier  -  23,23—30,69  -
(Die  freieren  socialen  Institutionen  in  den  Rheinlanden  wirkten  auch
hierbei  wohlthätig  mit.  Es  zeigt  sich  dies  bei  Vergleichung  der  Provinzen ­
  unter  sich,  es  zeigt  sich  bei  einer  Vergleichung  Gesammt-Preussens
  mit  anderen  Staaten,  wobei  aber  namentlich  auch  der  Moment ­
  ins  Auge  zu  fassen,  dass  die  Militärpfiiehtigkeit  in  Preussen  den
jungen  Männern  wenigstens  nicht  6—8  Jahre  lang  die  Verheirathung
unmöglich  macht.  Siehe  übrigens  unsere  vergleichenden  Bemerkungen
bei  Bayern).
Nach  Dr.  Boudin’s  Berechnung  kommt  durchschnittlich  bei  der
protestantischen  Bevölkerung  eine  uneheliche  Geburt  auf  10  bis  11
eheliche,  bei  den  Katholiken  erst  1  auf  16  (Folge  der  Erleichterung
bei  Niederlassungen  in  den  kathol.  Rheinlanden  etc.)  ;  bei  den  Juden
1  auf  47,  bei  den  Mennoniten  auf  73.
Von  1816  —  49  kamen  bei  den  Geburten  auf  100  Mädchen
blos  89  Knaben.  —  Die  Zahl  der  Sterbfälle  schwankte  zwischen
            
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