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DEUTSCHLAND — Hannover (Sociale Verhältnisse).
Cass.-Münze kosteten; 1819 : 20,916 M. mit 3434 Pferden, und einem
Geldbedarfe von 1’886,6G7 Thlr. Conv.-Münze.
Sociale Veiiiältnisse# Noch ist der Adel als besonderer
Stand vielfach bevorzugt. Er besitzt eigene Rechte, und seine Ange
hörigen erhalten fast ausschliesslich die wichtigsten Stellen. Die grossen
Güter werden ungetheilt erhalten. Erst seit 1831 sind die Feudal
lasten grösstentheils (aber um den 25fachen Betrag!) loskaufbar erklärt.
— Im Gewerbswesen wurden nach Napoleons Sturz nicht nur die
Zünfte wieder hergcstellt, sogar unter Restaurirung der Zwangs- und
Bannrechtc, sondern man fügte auch das auf der Voraussetzung einer
höhern Standesweisheit beruhende bureaucratische Con cessio nswesen
als Zugabe bei. Die Gewerbeordnung vom 1. Aug. 1847 beschränkte
blos einzelne Missbräuche, und das Gesetz vom 15. Juni 1848 sus-
pendirte nur für einige Zeit den Rückschritt. — Die meisten Gewerbe
sind zünftig, verschiedene aber „concessionspflichtig;“ auch können die
Behörden, nach dem „Bedürfnisse“ (über dessen Vorhandensein sie
entscheiden) für zünftige Gewerbe Coucessionen crthcilcn ; nur die ge
wöhnlichen häuslichen Beschäftigungen gelten als „frei.“ Um Lehrling
zu werden, muss man nicht nur schreiben können, sondern auch einen
Confirm at ionsschein vorlegen. Gesellen dürfen in der Regel nicht
heirathon. Um Meister zu werden, muss man wenigstens 5 Jahre lang
Geselle gewesen und davon 2 Jahre gewandert sein, auch mindestens
in 2 grösseren Städten oder .Orten, wo das Gewerbe vorzüglich be
trieben wird, gearbeitet haben. — Gewisse Strafen ziehen den Verlust
des Meisterrechtes nach sich. Auch auf die Fabriken finden die Be
schränkungen Anwendung. — So ist denn, sowohl nach den Begriffen
der Zunftfreunde, als nach denen der Büreaucratie, in diesem Lande
weit besser als anderwärts für das Gewerbswesen gesorgt. Und der
Erfolg ? Das Gewerbswesen befindet sich auf einer sehr niedern Stufe ;
hat lange nicht, weder die innere Ausbildung, noch die äussere
Ausdehnung erlangt, wie in dem hierin freieren Nachbarlande Preussen.
Der Gewerbstand ist wenig zahlreich, ermangelt jeder Kraft und
jedes Aufschwunges und befindet sich in sehr ärmlichen Verhältnissen.
Seine Erzeugnisse sind weder quantitativ noch qualitativ bedeutend,
und so lebt denn gerade hier die Mehrzahl der Handwerker kümmer
lich und wenig geachtet, — hier, wo Zunftwesen und Beamtenweis
heit um die Wette für deren Wohl sorgen! — Fabriken, die eine
Wohlthat für das Land werden könnten, fehlen beinahe gänzlich. Der
Handel ist gleichfalls im Ganzen höchst unbedeutend, einige wenige
Puñete ausgenommen. Auch ernährt selbst der Landbau weit weniger
Menschen, als wenn die Felder theilbar und freies Eigenthum ihrer
Bebauer wären, statt ungetheilt im Besitze einer kleinen Anzahl Be
günstigter sich zu befinden. — ,So erklären sich die Schilderungen,
welche Steinacker (aus Braunschweig) und Stüve (in ihren Schriften
über den Verfassungsstreit, nach dem Umstürze des „Grundgesetzes“
durch Ernst August) entwarfen : „Das Volk, ohne Energie und llülfs-
mittel, war gewohnt, nur im Adel und im Beamtenstand reiche Men
schen zu erblicken, und die Begriffe von Adel oder von Staatsdienst