Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

182

DEUTSCHLAND  —  Kur-Hessen  (Finanzen,  Militär).
Geschichtliche  Notizen.  Die  Einkünfte  des  eigentlichen  Casselschen
  Gebiets  schätzte  man  1786  auf  1'600,000  Thlr.,  wozu  noch
V2  Milk  aus  Hanau  kam.  Bekannt  ist  der  Soidatenvcrkauf  an  England.
Der  (katholisch  gewordene)  Landgraf  Friedrich  II.  erhielt  1776—84
für  22,000  Mann  (durchschnittlich  à  978  Thlr.)*)  2F276,778  Thlr.  ;
die  Ausrüstungs-  und  Löhnungsküsten  hatten  9’539,.569  betragen,  so
dass  ein  Gewinn  verblieb  von  11737,239  Thlr.**).  Mit  diesem
Gelde  ward  vortheilhaft  gcwirthschaftet  ;  der  alte  Rotlischild,  der  zum
Ilofagenten  gemacht  worden,  legte  damit  den  Grundstein  zu  seinem
„Hause.“  Der  Landgraf  aber  hinterliess  ein  Vermögen  von  56  Mill,  fl,
(Die  Einkünfte  des  ^^Königreichs  Westfalen'^  betrugen  Mill.
Thlr.;  die  Ausgaben  1808  :  37’375,000  Eres  ;  die  Sehuldeninassc  schon
damals  112'66  7,750  F  res  !  Es  gab  freiwillige  und  gezwungene  Anlehen, ­
  und  der  Cours  der  Staatspapicre  sank  bis  auf  50  Prozent.)
Nach  der  Restauration  Fortdauer  der  Finanzzenüttung.  Das
erste  Budget  in  der  constitutionellen  Periode,  18^1/33  schloss  mit  einem
Deficit  von  1’615,890  Thlr.  —  In  der  Neuzeit  erhob  Bayern  Entschädigungsansprüche ­
  für  die  1850  erfolgte  Sendung  von  Exccntionstrnppen
(siehe  S.  149.)  Der  Kurfürst  antwortete  mit  einer  Gegenforderung.
Schulden.  Während  die  Rcichthümer  der  Landgrafen  sich  häuften, ­
  vermehrten  sich  die  Schulden  des  Landes.  Nach  der  Restauration ­
  verweigerte  der  Kurfürst  den  unzweifelhaftesten  Rechtsverpflichtungen ­
  aus  der  westfälischen  Zeit  die  Anerkennung.  Dagegen  wurden
300,000  Thlr.  Schulden  des  Kurprinzen  auf  die  Staatscasse  überwiesen. ­
  Der  Schuldenstand  war  1816  1'364,167  Thlr.  —  Der  Landtag ­
  suchte  seit  1830  Ordnung  in  das  Finanzwesen  zu  bringen.  Allein
die  Regierung  bekümmerte  sich  niemals  um  dessfallsige  Bestimmungen.
Ein,  Beispiel  bildet  das  Lottcrieanlehen  von  1845.  Statt  für  6  Mill,
wurden  für  6’725,000  Thlr.  Papiere  ausgegeben;  statt  Pari-Ausgabe
wurden  12V2  Proz.  Provision  bewilligt;  statt  3Yg  Proz,  Zinsen  erhalten ­
  die  Gläubiger  weit  weniger;  statt  einer  sogleich  beginnenden
und  wachsenden  Tilgung  wird  bis  1872  nicht  einmal  der  Zins  vollständig ­
  abgetragen,  so  dass  am  1.  Januar  1888  (!)  die  Gläubiger
noch  6'725,000  Thlr.  zu  fordern  haben  werden,  die  dann  in  grossen
Summen  getilgt  werden  sollen  (s.  Landtagsverhandlungen  vom  29.
Juni  1848.)  —  Der  gesammte  Schuldenbetrag  ward  1854  auf
15'400,000  Thlr.  geschätzt,  worunter  2%  Mill.  Papiergeld  (ausserdem
circuliren  Noten  der  Leih-  und  Commerzbank.)  Hiezu  kam  im  Frühjahr ­
  1855  ein  neues  Anlehen  von  1'200,000,  und  die  Regierung  beabsiehtigt,
  wie  oben  erwähnt,  ein  ferneres  von  200,000.
MilitcEr«  Conscription;  Loosung;  Stellvertretung;  5  Jahre
Dienstzeit,  wovon  1  in  der  Reserve.
Infanterie:  4  Reg.  (wov,  1  Leibgarde),  zu  1545  M.,  in  2  Bataill.  und  8
Comp.  —  1  JUgerbatailL  zu  711,  =  zus.  .....  7,301
Cavallerie:  2  Husarenreg.  zu  7  Escadr.  und  1028  M.,  2  Esc.
*)  Nach  einer  and.  Notiz  hätte  er  16,992  M.  geliefert,  von  denen  6500  umkainen,
*•  )  Auf  dem  Durchmärsche  durch  preuss.  Gebiet  liess  Friedricli  11.  in  bitterm
Hohne  „den  üblichen  Viehzoll“  nach  der  Kopfzahl  erheben.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.