238
ITALIEN — Beide Sicilien (Finanzen).
Acton zurück. Als der letzte auf Napoleons Dictât 1804 vom
Ministerium, entfernt werden musste, erhielt er Domänen mit einem
jährlichen Ertrage von 30,000 Diicati zum Geschenke (im Capital-
werthe von fast 3 Mill. Franken). In noch viel grösserer Aiisdehming
verschleuderte Napoleon auch hier die Domänen, diesen wielitigcn
Bestandtheil des Nationalvermögens. Bei Einsetzung des neuen Kö
nigs behielt er sich die Verschenkung von neapoL Staatsgütern mit
einem .lahresertrage von einer Million vor. In der Napoleonischen
Constitution von 1808 war für den König eine Civilliste von 1'032,000
Ducati bestimmt. Die Staatsbedürfnisse wurden für das oben bezeich-
nete Jahr im Ganzen auf 12’700,000, die gcAvübnlichcn Einkünfte
nur auf 5’700,000 Ducati berechnet; zur Deckung des Deficits sollte,
unter Aufhebung der Zehnten und Fröhnd en, eine Grundsteuer von
7 Mill, erhoben werden. Die gesummte Schuld Neapels betrug 134
Mill. — Die Restauration der Bourbonen kostete ungeheuere Summen.
Der König versprach den Oesterreichern zum Voraus (Vertrag v. 29.
April 1815) 25 Mill. I'rk. Kriegsentschädigung. Sodann musste das
Land dem Vicckönige Fugen, obAvohl dieser zu Neapel in gar keiner
Beziehung stand , für seine anderweitigen Ansprüche, 5 Millionen
Franken „Entschädigung“ bezahlen. Unter dem Titel von „Aus
gaben der hohen Politik“ wurden ferner zur Zeit des Wiener Con
gresses 6 Mill. Ducati verwendet, wovon 2 Mill, an auswärtige
Unterstütze!’ der bourbonisehen Sache, insbesondere auf jenem Con
gress e. Talleyrand erhielt hievon eine Million, und als Herzog von
Dino überdies 60,000 ITk. Jahresrenten ; der österr. General Bianchi
(Befehlshaber der Truppen gegen Murat) bekam 40,000 Frk. Rente,
der spätere Finanzminister Luigi Medici 25,000, Alvaro Ruffo eben
so viel. (Enthüllungen eines nachmaligen Finanzministers.) — Als
man Ende 1816 den „Einheitsstaat“ herstellte, ward den Sicilianern
die Versicherung ertheilt, dass die Insel keine grössere Summe auf
zubringen habe, als die vom sicilianischen Parlament 1813 bewilligten
1 847,687 Unzen (zu etAva 13 Frk.). Allein es war dies nicht nur
eine ausserordentliche Anstrengung im Kriege gewesen, sondern es
waren auch die damaligen englischen Subsidien einbegriffen. Dennoch be
kümmerte sich die neap. Regierung so wenig um jene Zusicherung, dass
in dem Budget für 1846 Sicilien mit 2'318,000 Unzen belastet er
scheint. — Die herrschende Finanzuoth veránlasste nicht nur Beibe
haltung der verhassten napoleonischen Grundsteuer, sondern man er
höhte dieselbe sogar um 35 Proz. Die Verschleuderung des National
vermögens dauerte indess fort, 1819 sprach man von „Ersparungen
an den Kriegskosten,“ allein nur, um den Ministern Medici und
Tornrnasi, so wie dem österr, General Nugent, einem Jeden 60,000
Ducati von dieser angeblichen Ersparung zuzuweisen. Gleichzeitig
nahm Tornrnasi für ein mit dem römischen Stuhl abgeschlossenes
Concordat 80,000 Ducati in Empfang. — Für den Verfassungsum
sturz von 1822 bezahlte man an Oesterreich 85 Mill. Duc. Kriegs
kosten (nach Angabe des österr, Generals Bianchi). Dabei beschenkte
der König die österr. Generale glänzend ; Frimont allein erhielt 200,000