GRIECHENLAND — Militär, Sociales.
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müssen; — die Sendung baycrisclier Truppen nach Griechenland habe diesem
Staat nicht weniger als 2‘2’340,86!2 Dr. gekostet; Rothschild habe für Negocirung
des gedachten Anlehens 6’6GO,000 Dr. gezogen; — im Ganzen seien von diesem
und dem bayerischen Anlehen (worüber sogleich einiges Nähere) nicht
mehr als 4 3 7, 4 7 3 Drachmen für innere Verbesserungen übrig geblieben !
(Und dafür ward das arme Land mit solcher enormen Schuldenmasse belastet !)
5) Bayerisches Anlehcn. In den Jahren 1832, 1835, 36 u. 37 gewährte
der König Ludwig von Bayern dem Könige von Griechenland 4 Darlehen, im
Gesammtbetrage von ungefähr 8 Mill. Frkn., zu 4 Proc. Da es meistens Vor
schüsse auf das 60 Millionen-Anlehen sein sollten, so ward der grössere Theil
nach Maasgabe, wie dieses Anlehen tlüssig wurde, zurückersetzt. Eine Summe
von 1'233,333 Gulden (mit den angelaufenen Zinsen bis 1849 1’529,333 fl.)
wurde aber nicht abgetragen, vielmehr erhob die griechische Regierung nach der
Revolution von 1843 (vgl. S. 152) Gegenforderungen an Bayern.
So stellt sich nun die Gesammtschuldmasse in Franken berechnet,
ungefähr folgenderinaassen ;
Capital Zinsrückstand Gesammtschuld
1) Zwangsanlehen von 1822 . . .... .... ....
Anlehen von 1824 und 25 . . 70 Mill, etwa 100 Mill. 170 Mill.
4) 60 Mill.-Anlehen . . . etwa 40 „ „60 „ 100 „
6) Anlehen des Königs von Bayern über 2% „ fast 1% „ über 4 „
Gesammtsumrne ohne Nr. 1 112% Mill. 162 Mill. 274 Mill.
Neue Schulden konnte der Staat nicht aufnehmen, da es dem-
selbeiî im in- und Auslande an Credit fehlt.
MiiiÜll** Conscription. Truppenformation:
Infanterie: 6 Linien- und 3 leichte Bataill. (à 6 Comp.), im Frieden zu
737, im Kriege zu 1097 M. ; je 2 Linienbataillone bilden eine durch einen
Obristen commandirte Division; — zusammen 6633 resp. 9873 M.
Cavallerie: 1 Lanciersregiment von 3 Escadr., etwas über 300 M.
Artillerie: 1 Bataillon von 4 Compagnien. — Pioniere: 1 Comp. — Beson
dere Corps: Phalanx (Nobelgarde, blos Offleiere, 410); Gendarmerie, Invaliden.
Festungen (meistens in übelm Zustande) : Missolunghi, Nauplia, Navarin ;
Tripoliza, Akrokorinth, Akropolis v. Athen, Chalkis, Lamia, Vonitza, Rhion,
Monembasia.
Marine: 1 Corvette von 26 Kanonen, 1 Dampfer von 120 Pferdekraft, 7
Ooeletten, 1 Cutter, 4 Kanonen-Schaluppen, 1 Brigg und 3 kleinere Fahrzeuge.
Ausserdem wurden, beim Beginne des orientalischen Krieges, angeblich einige
russische Kriegsschiffe, welche zu Triest lagen, erkauft, worunter 1 Corvette.
Societies* In keinem Theile der Welt findet man auf so en
gem Raume grossere Unterschiede im Bildungsgrade der Einwohner,
als hier: neben einem beinahe vollkommenen Mangel aller Bildung,
die grösste Verfeinerung. Nur in Russland begegnen wir theilweise
einem ähnlichen Verhältnisse. — Die Geistlichkeit besass unter der
Türkischen Herrschaft fast Vi de» Bodens. Von den Klöstern wur
den zwar schon 1829 320 aufgehoben, welche weniger als je 6 Be
wohner zählten; es blieben aber noch 82 übrig, mit 1500 — 2000
Mönchen und Nonnen. Die Frauenklöster reducirte man 1833 auf
30. — Im Jahre 1853 soll man in Griechenland gezählt haben:
30 Bischöfe und Erzbischöfe, 5114 Geistliche, 12,549 Beamte (!),
dagegen nur 674 Lehrer! — Einen Adel gibt es eigentlich nicht.
Einige Phanariotische Familien legen sich zwar den Fürsten-, einige
Ionische den Grafentitel bei; indessen verbot schon die Verfassung