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TÜRKEI — Militär.
englischen Anlehe, und 600,000 Pfd. Vorschuss auf die zweite.
(Der Charadj ward sogar aufgehoben, gegen Verpflichtung der Ra
jahs zum Kriegsdienste.)
Schuld, Zu Anfänge des Jahres 1854 schätzte man dieselbe auf
1068 Mill. Piaster, wovon 64 Mill, unverzinsliches und 132 Mill,
zu 6 Proc. verzinsliches Papiergeld (Caimes, seit 1829, zur Deckung
der damaligen russischen Kriegscontribution), Im August 1854 nahm
die Türkei ein 6procentiges Anlehen zu 80% in London und Paris
auf, 125 Mill. Frk. = 541% Mill. Piaster betragend. . Im Juni
1855 kam hiezu ein neues von England-Frankreich garantirtes Au
lehen im gleichen Betrage. — Die Grösse der schwebenden Schuld
lässt sich auch nicht annähernd bestimmen. — (Von dem grossen
Staatsschätze, von welchem in frühem Zeiten geredet wurde, ist längst
nichts mehr vorhanden. Die erste türkische Staatsschuld datirt von
1776. Obwohl Griechenland über 12V2 Mill. Drachmen an die Pforte
bezahlen musste, vermochte es diese doch nicht, die im Adrianopeler
Friedensvertrage dem Czaaren versprochene Kriegscontribution von 10
Mill. Ducaten zu erschwingen.)
Militär* Seit 1843 Avard, nachdem einige frühere Versuche
gescheitert, mit Organisirung der Landmacht nach franz.-preussischem
Vorbilde begonnen. Die Bildung des Heeres geschieht, ausser frei
willigem Eintritte, durch Aushebung und Losung. Dienstzeit: 5 Jahre
im activen Heere, dann noch 7 in der Reserve. — Die Organisation
ist folgende:
I. Active Armee (Nizam), 6 Armeecorps (Ordii), jedes 2 Divisionen und
6 Brigaden, oder 6 Regim. Infanterie, 4 Cavallerie und 1 Artillerie umfassend.
(Das Infanterie-Regiment hat 4 Bataillone zu 8 Comp., und etatsmässig 3260,
in Wirklichkeit etwa 2800 M. ; das Cavallerie-Regiment 6 Schwadr. — 2 Jäger
und 4 Lanciers — mit 736 resp. 934 M.) Im Ganzen rechnete man 148,000
Mann, nemlich:
36 Regim. Infanterie . . 100,800 2 Regim. Genie . . 1,600
24 „ Cavallerie . . 17,280 8 „ detaschirte Corps 16,000
10 „ Artillerie . . 13,000
II. Reserve (Redi/, Landwehr); genau ebenso eingetheilt wie die Linie
und auf dem Papiere gerade eben so stark ; — in Wirklichkeit noch keineswegs
vollständig organisirt.
III. Contingente der dem Nizam noch nicht unterworfenen Provinzen
und der halbsouveränen Staaten. — Aegypten besitzt ein nach europäischer
Art gebildetes Heer von etwa 40,000 M. Dazu die Contingente von Oberalba
nien mit etwa 10,000, Bosnien 30,000, Serbien 20,000, der Donaufürstenthümer
7000, und von Tunis u. Tripolis 10,000; zusammen über 100,000.
IV. Irreguläre Truppen (ohne besondern Werth).
Nach dem (oben erwähnten) Berichte des türkischen Finanzmi
nisters betrug die wirkliche Stärke der türk. Armee im letzten Kriege:
Infanterie (sammt Garde) 72,180
Cavallerie u. Artillerie 22,737
Festungsartill. u. Reserve 10,408
Zus. (2259 in engl. Solde)
Infanterie
Cavallerie
Zus. (7741 in engl. Solde)
Dazu mobile Miliz
92,650
11,177
103,827
7,741
cijgi. ouiuc; 105,325 i.'azu moone muiz . . <
Die jährlichen Kosten wurden vom Finanzminister so veranschlagt:
; 3=1 Äsr
Jeder Infanterist koste jährlich 2411, jeder Cavallerist 3408 Piaster