Object: Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

186 DEUTSCHLAND — Mecklenburg-Schwerin (Militär, Sociales). 
mänenämter mit 1 5.35,000 Thlr. wieder ein. Der erste Reichskrieg 
gegen die franz. Republik kostete 270,000, die „bewaffiicte Neutralität“ 
bis zum Luneviller Frieden 1’200,000 Thlr. Dennoch waren die 
Schulden im Jahre 1803 bis auf 495,000 Thlr. getilgt. Der Kriegs 
schaden des Landes vom Oct. 1806 bis Febr. 1807 betrug 7’218,000 
Thlr. — Von den französischen Gontributionsgeldern erhielt Schwerin 
2'150,000 Fr. 
Militär. Conscription mit Stellvertretung; 6jährige Dienstzeit. 
Bestand : 
Infanterie-. 1 Grenadier-, 2 Musketier- u. 1 leichtes Bataill. 
Cavallerie: 1 Dragonerreg. von 4 Escadr. u. G29 M. 
Artillerie: 2 Batt. mit 1(> Geschützen. 
Soriilic \^n'li(iltElls.SC/. Mecklenburg — mit seiner ursprüng 
lich slavischeu Bevölkerung und der einzigen noch vorhandenen sla- 
vischen Fürstenfamilie — ist der einzige Staat in Deutscliland, in 
welchem die franz. Revolution fast keine socialen Aenderungen hervor 
gebracht hat. Der L eudalstaat dauert fort, und obwohl die .Jahre 1848 
und 49 denselben zu erschüttern anfingen, so befestigten doch die 
Bundestagsbeschlüsse die alten Zustände. Die Rittergutsbesitzer üben 
neuerdings wahre Souveränitätsrechte aus, und die Lage des Land 
volkes ist die elendeste. Länger als irgendwo in Deutschland, nämlich 
bis 1820, währte sogar die Leibeigenschaft fort, der die Mehrzahl 
der Einwohner unterlag. Auch später besserten sich deren Verhält 
nisse wenig. Das grosse, fruchtbare Land hat die dünnste Bevölkerung 
in Deutschland, und dennoch fanden massenhafte Auswanderungen statt, 
— dennoch ist ein Proletariat vorhanden, „welches (wie Schnelle 
schon vor 1848 schrieb) durch seine Menge gerechte Besorgnisse ver 
anlasst. Man sucht durch Ehehindernisse die Vermehrung der Be 
völkerung zu hindern ; — freilich nur mit dem Erfolge einer ausser 
ordentlichen Zunahme der unehelichen Kinder und des Umsichgreifens 
eines Missmuths bei den arbeitenden Classen, der in den letzten .Jahren 
Viele veranlasst hat, aus dem volksarmcn Mecklenburg, das noch 
Hunderttausende ernähren könnte, in andere Länder und Welttheile 
auszuwandern“... Die Vertheilung des Grundbesitzes ist eine wunde 
Stelle im mecklenburgischen Staatsleben. Von den 228 Q.-M. Schwe 
rins gehören ungefähr 24^^ den Städten zu. Das übrige Land ist 
unter 630 Grundeigenthümer vertheilt. Mit ihnen nehmen an dem 
Grundbesitze etwa 1002 Erbpächter tlieil, 6163 Bauern, die an den 
Boden eigentlich kein dingliches Recht haben, und endlich etwa 6596 
Bündner, die meistens nur wenige Aecker, aber mit dinglichem Rechte, 
besitzen. Die Zahl der Grundbesitzer ist also klein — 15,685 unter 
368,118 Jjandleuten. Bedenkt man nun, dass nur 630 vollkommen 
freie Ligenthümer sind, bedenkt man die Lage der Bauern auf den 
ritterschaftlichen Gütern, — betrachtet man die kastenartige Isolirung 
der Bevölkerung, die Ungleichheit in ihren bürgerlichen Berechtigun 
gen und die Schwierigkeit der Erwerbung eines kleinen Grundbesitzes, 
— so gewahrt man das Bedenkliche der Verhältnisse. Dabei befinden 
sich die mit 60 Mill. Thlr. Schulden belasteten Rittergutsbesitzer auch 
ihrerseits in keiner allzubehaglichen Lage.
	        
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