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FRANKREICH — Finanzen (Budgetpositionen).
unmittelbare Vermögen des Staates (aus welchem unmittelbaren Ver
mögen vor Allem die öffentlichen Bedürfnisse gedeckt werden sollten)
verschleudert ward. Der Ertrag erscheint um so geringer, wenn man
die Einziehung der vielen Geistlichen- und Adclsgüter während der
Revolution erwägt. Während der ganzen Neuzeit verschleuderte man
namentlich Staatswaldungen. Uebrigens beträgt der Werth der Do
mänen, nach einer Schätzung vom Jahre 1856, noch immer über 1293
Mill, (1,293’!73,804 Fr.); allein cs finden eben noch alljährlich neue
Veräusserungen statt.
Was die dir ec ten Steuern anbelangt, so wurden die nach der
Februarrevolution neu aufgelegten 45 Beischlagprozente zur Grund
steuer, im Jahre 1853 um 17 Proz. (so viel Beischlag-Centimen) wieder
herabgesetzt, was für die Staatscasse eine Einnahmeminderung von
26 Mill, zur Folge hatte.
Ganz enorm finden wir die indirectcn Auflagen emporgo-
schraubt. Besonders lästig ist die Getränkesteuer (die verhassten ehe
maligen droits réunis)'^ äusserst fiscalisch das Enregistrement. So müssen
bei jedem Imraobiliarverkaufe volle 4 Proz. vom Preise bezahlt wer
den; dazu kam schon unter dem alten Napoleon eine besondere „Kriegs
steuer“ , wodurch diese Auflage noch um 0™ 10 Proz.) erhöht
wurde, und diesem ersten décinir de guerre hat man, wie schon oben
erwähnt,# 1855 einen zweiten beigefügt, die A ullage also bei Immo-
biliarveräusserungen auf 4%^ Proz., bei blosen Mobiliarversteigerungen
auf 2Vio Proz. erhöht u. s. f. Erst mit Neujahr 1858 soll wenigstens
die zweite Kriegssteuer aufhören. — Die in Folge der Februarrevo
lution auf 10 Cent, für das Kilogr. (Doppelpfund) herabgesetzte Salz
steuer erträgt dessen ungeachtet noch 35 Mill.
Ausgaben. Ziehen wir von der Gesammtsumme des Budgets die
blos auf dem Papiere durchlaufenden Posten (die sog. „Nichtwerthe“,
d. h. uneinbringbare Steuern, und die Reclmungsübortragungen, mit 94
Mill.) ab; ferner die Kosten der Steuererhebung (nach der ministeriellen
Angabe über 164^2 Mill.), so verbleiben als Nettosumme des Gesammt-
staatsbedarfs gegen 1340 Mill. Hievon verschlingen nun:
Die Staatsschuld, sammt Dotationen u. Finanzverwaltung 513 Mill. = 38,28 %
Das Militär (Land- und Seemacht) .... dßS'/j ■ = 34,59 -
Diese beiden unproductiven Posten allein 9760^ - = 72,87 -
Und dieses ohne die Kriegskosten.
Der Kaiser bezieht eine Civilliste von 25 Milk Dazu kommt
aber noch weiter der Genuss äusserst bedeutender und werthvollcr
Domänen; und überdies erscheinen viele Ausgaben in den Staatsrech
nungen, welche eigentlich auf den Etat der Civilliste gehörten. In
Wirklichkeit kostet die kaiserl. Hofhaltung den Staat wohl mindestens
40 Milk des .Jahres. (Dessen ungeachtet ist die Civilliste mit Schulden
belastet, und engl. Blätter vom Mai 1856 geben die Grösse dieser
Schulden zu mehr als 2 Milk Pf, St,, also über 50 Milk Fr. an.)
Budget für 1 85 7. Obwohl der Friedensschluss erfolgt, ist
doch das neue Budget um die enorme Summe von mehr als 100 Milk
grösser, als das laufende, Ursprünglieh mit der Ziffer von 1695 Milk