Full text : Die sociale Lage der Handlungsgehülfen und ihre Verbesserung durch die kaufmännischen Vereine

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Dritter  Abschnitt.
Die  Reformthätigkeit  der  Kaufmännischen  Vereine.

Die  „Kaufmännischen  Vereine"  sind  in  Deutschland  vielfach  zu  einer
Zeit  entstanden,  vor  zwanzig  bis  vierzig  Jahren,  in  welcher  die  Mißstände
die  uns  heute  auffallen,  entweder  noch  gar  nicht,  oder  dvch  in  weit  geringerem ­
  Maße,  jedenfalls  aber  nicht  in  derjenigen  Fülle,  wie  gegenwärtig,
im  kaufmännischen  Gewerbe  vorhanden  waren.  Zwischen  Prinzipalen  und
Gehülfen  bestand  meist  noch  das  alte  patriarchalische  Verhältnis  und  auf
diesem  Fuße  verkehrte  man  auch  im  Verein  miteinander.  Namentlich  hatten
die  beiden  Kategorien  der  Kaufleute  noch  wenig  Grund,  irgendwelche  in
den  allgemeinen  Verhältnissen  wurzelnde  Klagen  gegeneinander  oder  gegen
diese  Verhältnisse  zu  erheben.  Der  hauptsächlichste  Zweck  der  kaufmännischen
Vereine  bestand  in  der  Belebung  des  Verkehrs  der  Kaufleute  untereinander
und  in  der  Repräsentation  nach  außen,  in  der  Pflege  der  allgemeinen
Bildung  durch  Vortrüge  und  Kurse,  und  wo  von  Ansang  an  Stellenvermittlung ­
  getrieben  oder  Kassen  begründet  wurden,  da  hatte  man  noch
nicht  im  entferntesten  eine  Abhülfe  solcher  socialer  Übelstände  im  Auge,
wie  sie  gegenwärtig  die  Aufmerksamkeit  auf  sich  ziehen.
Diese  Verhältnisse  haben  sich  nun  gründlich  verändert,  und  jene
socialen  Fragen  stehen  seit  einem  Jahrzehnt  so  sehr  im  Vordergründe  auch
der  kaufmännischen  Standessragen,  daß  eine  bestimmte  Stellungnahme  der
kaufmännischen  Vereine  zu  ihnen  notwendig  geworden  ist.  Die  kaufmännischen
Vereine  können  nun  sagen:  „Wir  sind  nicht  zu  dem  Zwecke  gegründet,  uns
mit  diesen  schwierigen  wirtschaftlichen  und  gesellschaftlichen  Problemen  zu
besassen;  bei  unserer  Stiftung  wußte  man  überhaupt  noch  wenig  von  diesen
Dingen.  Bleiben  wir  also  innerhalb  unserer  bisherigen  Thätigkeitsgreuzen.
Wir  haben  mit  unserer  Stellenvermittlung,  unseren  Lehrkursen,  mit
der  Pflege  unserer  Vortragsabende,  welche  für  die  ganze  Stadt  eine
Art  freier  Bildungsakademie  geworden  sind,  sowie  mit  unseren  Gesellschaftsaufgaben ­
  genug  zu  thun.  Wir  können  uns  nicht  auch  noch  mit  socialen
Fragen  beschäftigen,  die  manchmal  das  politische  und  gesetzgeberische  Gebiet
sehr  nahe  streifen."  Man  kann  sich  sehr  gut  in  diesen  Gedankengang
älterer  Herren  hineindenken.  die  noch  die  gute  Zeit  von  früher  im  Auge
haben,  selbst  aller  Not  und  Sorge  längst  entrückt  sind  und  dem  kaufmännischen ­
  Verein  einer  Stadt  angehören,  dessen  Handelsverhältnisse  durch
ihre  ausnahmsweise  günstige  geographische  Lage  relativ  noch  recht  gesichert
und  unberührt  dastehen.  Tout  comprendre,  c’est  tout  pardonner.
Wer  diese  Dinge  so  geschichtlich  betrachtet,  wird  auch  nicht  den  leisesten
            
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