4. Kap. Die nichtfreie Preisbildung.
197
Endlich ist ein Monopolpreis in gewissen besondern Fällen, wenn er auch
Momentan für einige gewisse Verluste mit sich bringt, auf die Dauer ein
Ģewinn für die gesamte menschliche Gesellschaft. Das trifft namentlich be
züglich der Patente und des Autorrechtes zu. Ein Patent gewährleistet dem
Erfinder auf eine bestimmte Zeit das ausschließliche Nutzungs- und Verkaufs-
^cht eines gewissen Verfahrens und gewisser Gegenstände. Es hat also eine
^umme von Nachtheilen für andere zur Folge. Aber diese werden von den
^urch gewährten Vortheilen bei weitem überwogen. Die Verleihung eines
Patentes wirkt als ein Sporn, der zu Erfindungen antreibt und für den sich
ņoch kein Ersatz gefunden hat. Das Gleiche gilt vom Autorrecht.
Was den Detailhandel anlangt, so sind Monopolpreise besonders da zu
Achten, wo die Bevölkerung arm ist und eine Anzahl in Dürftigkeit lebender
bute sich durch die Verhältnisse genöthigt sieht, das Nothwendige in einem
^'ņzigen Kaufladen oder in einer kleinen Anzahl solcher einzukaufen.
Im Detailhandel findet sich auch eine dritte, sowohl von den Markt-
ļ* â auch von den Monopolpreisen verschiedene Art von Preisen, die man als
^sönliche Preise bezeichnen kann. Die Höhe derselben hängt von dem
brsönlichen Charakter und den individuellen Verhältnissen der vertragschließenden
^kile ab. Ein geschickter oder gewissenloser Mensch, welchem der Zeitverlust
® er die Herabsetzung seiner persönlichen Würde gleichgiltig ist, kann theurer
kaufen oder billiger kaufen als andere, welche diese Charaktereigenschaften
ņîcht besitzen. Dagegen lassen sich viel Zeit und Mühe ersparen und viele
bbervortheilungen vermeiden, wenn im Detailhandel feste Preise für alle
uufer eingeführt und trotz der inzwischen vorkommenden Schwankungen der
ņgrospreise auf eine längere Zeitdauer hinaus normirt werden. Eine solche
Achtung verstößt durchaus nicht gegen die Gerechtigkeit, sie ist vielmehr als
s^f tQ 8 e für das Publikum herbeigeführt werden, liefern die Verhältnisse in den
die brüten Staaten besonders lehrreiche Beispiele. Dort werden die Preise durch
thîil' J 1 * 00 hosts' genannten Cartelle im allgemeinen nicht in dem Matze zum Rach-
die e . r Konsumenten gesteigert, als man vermuthen könnte. Für den Fall, daß
Co,, °ise ein gewisses Maß überschreiten würden, bleibt eben stets die Gefahr der
bestehen, und das wirkt heilsam. Die Trusts machen allerdings grotze
îndull Ş ' ^ die Ursache derselben ist zum guten Theil in der vervollkommneten
Organisation und in der durch sie herbeigeführten Beschränkung des
de^Şņhandels zu suchen, sowie auch darin, daß unnütze Reibungen zwischen den
feiti Q , le CUC,t Teilnehmern vermieden und schlecht eingerichtete Unternehmungen be-
prxis» ìo^rden. Ja der ,Standard oil trust' hat sogar nachgewiesen, daß die petroleum-
Petr r feinem Bestehen sanken, und mächtig dazu mitgewirkt, dem amerikanischen
^JHeunt den europäischen Markt zu erhalten (siehe Jan net und Kämpfe a. a. O.
9eienu >98 unb unsern Artikel .Cartelle' im II. Bd. des Staatslexikons der Görres-
'chaft. Freiburg, Herder, 1894).