304 Zwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
Papageien, Kakadus und Meerkatzen; Kamele, Strauße, Wal—
rosse und Stachelschweine, 1747 gar ein Rhinozeros; ferner
künstliche, d. h. abgerichtete Tiere vom tanzenden Bär bis zum
Affen, der sich auf der Leine „künstlich schwenkt“, wenn auch
noch kein völliger Zirkus; dann Mißgeburten, Zwerge, Riesen
und Wilde; des weiteren Luftspringer, Gaukler, Taschenspieler,
Wurzelmänner und Wunderdoktoren, aber auch Wachsfiguren⸗
kabinette, magische Laternen mit Schattenspiel, Guck- und Rari—
tätenkasten, Marionettentheater und anderes Schauspiel! Und wie
wurde die Gelegenheit, all diese Wunderdinge ein paarmal im
Jahre zu sehen, von nah und ferne ausgenutzt! Vor allem der
sächsische Hof residierte zur Meßzeit gern in der Stadt; im
Jahre 1699 ist er in Begleitung von 99 fürstlichen Personen,
Grafen und Freiherren, 40 polnischen Magnaten und Herren, einer
Leibgarde von 170 Janitscharen u. s. w. in Leipzig eingetroffen.
Dies bunte, breite Treiben, das mit seiner Vorbereitung
und seinem Verlaufe einen guten Teil des Jahrs füllte, das
„weltmännisch“ machte und doch zugleich die Phantasie anregte,
erzeugte nun zum besten Teile die eigentlichen Triebkräfte des
Leipziger geistigen Aufschwungs.
Ja es hatte schon an sich ernste mittelbare und unmittel—
bare literarische und künstlerische Konsequenzen. Mit dem Auf—
schwunge der Messe ging die führende Stellung im Buchhandel
von Frankfurt auf Leipzig über, wo schon Ende der siebziger
Jahre des 17. Jahrhunderts eine vornehmlich durch private
Mittel reich dotierte Ratsbibliothek, die zugleich zu einem
Museum wurde, entstanden war: energische Buchhändler wie
Gleditsch und Fritsch pflegten den neuen Handelszweig; eine
nicht allzustrenge Zensur belästigte namentlich die schöne Lite—
ratur weniger als die kaiserliche Bücherkommission zu Frank⸗
furt, da sie von Universitätsprofessoren gehandhabt wurde;
und die Universität nahm an Besuch zu, wie denn an ihr nicht
wenige berühmte Lehrer, die Carpzovs z. B. und die Menkes,
wirkten. Dazu kam eine allgemeine Hebung der Lebenshaltung
unter dem Einflusse ständig neuer, das Auge schärfender und
seinen Blick erweiternder Eindrücke. Nicht bloß daß die Ein—