§ 134. 135. Umsatzmittel.
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Die Entwickelung des Marktwesens beginnt bei zunächst
durch anderweite Anlässe herbeigeführten Zusammenkünften einer-
größeren Menschenzahl, deren zeitweilige Anhäufung nebenbei
günstige Gelegenheit zum Feilbieten von Waaren giebt, während
bei den sich hieraus entwickelnden Märkten, welche regelmäßig
zu im Voraus bestimmter Zeit abgehalten werden und sich
späterhin zunehmend mehr specialisircn, das Befriedigen von
Tauschbedürfnissen Hauptzweck des Zusammenkommens geworden
ist. Schließlich sind jedoch nur periodisch wiederkehrende Ver
einigungen unzureichend, weshalb sich alsdann manche große
Marktorte nach und nach zu noch größeren Stapel- und Handels
plätzen erheben, an denen sich der Handelsverkehr immer stetiger
concentrirt, dessen ortsständige Beträchtlichkeit nun das Entstehen
des Börsenverkehrs sowie das Aufkommen von Waaren-Auctionen
veranlaßt.
Unter den eigentlichen Märkten nehmen die großen Messen
ursprünglich die hervorragendste Stellung ein. Diese bleiben
lediglich während der Zeit, in welcher die Communicationsmittel
noch wenig ausgebildet sind, ein entschiedenes Bedürfniß des
Großhandels und verlieren nachher wieder um so mehr an
Bedeutung, je thunlicher die Verschickung von Mustern oder
Proben und je unbehinderter der Bezug fremder Waaren vom
Ursprungs- und Erzcugungsortc wird. Die gewöhnlichen, nach
wcitergediehener Entwickelung des Verkehrs entbehrlicheren Kram-
und Jahrmärkte dagegen, ebenso manche dauernder benöthigte
Märkte für besondere Waarengattnngen, z. B. die Wochenmürkte
für Lebensmittel, dienen überwiegend den Zwecken des örtlichen
Kleinhandels, erleichtern die Versorgung mit denjenigen Artikeln,
in Bezug auf welche am Orte selbst die Nachfrage nicht groß
genug ist, um fortwährend ein genügende Auswahl darbietendes
Angebot hervorzurufen, und bewirken, daß auch dort wenigstens
zu bestimmten Marktzeitcn eine stärkere Coneurrenz eintritt, wo
diese sonst fehlt. Die meisten Märkte für besondere
Waarengattnngen endlich, z. B. Getreide-, Vieh-, Woll-,
Flachs-, Hopfen-, Maschinen-Märkte x., sind ein Ergebniß vor
geschrittener Prodnctionstheilnng beim Handel, und theiliveise erst
im Laufe der Zeit an die Stelle des unmittelbar örtlichen Auf
kaufs der betreffenden Erzeugnisse bei den einzelnen Producenten
getreten. Derartige Spccialmärkte bleiben am andauerndsten für
den Kauf und Verkauf solcher Waaren Bedürfniß, welche ent-