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oder schlichtend dazwischen; so als 1672 in Leiden Arbeiterunruhen
ausbrachen!); und 1717, als ebendaselbst die Tuchbereitersknechte
streikten?). Dieses Gewerbe neigte überhaupt zur Aufsässigkeit,
und gegen geheime Versammlungen, die solche Dinge begünstigten,
wurde scharf eingeschritten?) ; zum Teil haben hierbei wohl Ein-
flüsse Fremder, zugewanderter Gesellen mitgewirkt*); deutsche Ar-
beitskräfte verwandte man u. a. in der Brennerei°). Die fortwäh-
renden, hier und da ausbrechenden, örtlichen Unruhen, die meist
auf Unmut gegen die Steuern oder auf durch den Krieg entstandene
Arbeitslosigkeit, manchmal auch auf religiöse Bewegungen zurück-
zuführen waren, haben auf das Wirtschaftsleben in seiner Gesamt-
heit keinen Einfluß geübt; in dieser Hinsicht unterschieden sich
die holländischen Zustände kaum von denen anderer Staaten im
17. und 18. Jahrhundert. Von einer Arbeiterbewegung zu sprechen,
die einen „besonders ernsten Charakter‘ trug, scheint kein Grund
vorzuliegen®). Das, was hier vielfach in die Erscheinung trat, machte
nur deshalb einen ernsteren Eindruck, weil nach alter Überlieferung
in Holland eine große Redefreiheit bestand und die Obrigkeit sich
höchst ungern in diese Dinge mischte; sie kannte den derben Cha-
rakter des gemeinen Mannes, der leicht zu Gewalttätigkeiten neigte.
Eine „soziale Bewegung‘‘ wird dahinter nicht zu suchen sein. Im
übrigen ist es begreiflich, daß in einer Handelsstadt wie Amster-
dam die Klassengegensätze geringer waren als in einer Industrie-
stadt wie Leiden”).
Nicht ungünstig waren die Wohnungsverhältnisse
der ärmeren Bevölkerung; erst mit dem Anwachsen der Einwohner-
zahl in der Mitte des 17. Jahrhunderts trat auch hier ein Wandel
zum Schlechteren ein; insbesondere die Einwanderung der Re-
ı) Vgl. oben S. 87,
®*) Posthumus;, Bronnen VI, 353 ff.
3 Pringsheim, S. 69f.; Kernkam pP, _ Droogscheerders-Synode,
S.' 285 ff.
*) Auf die fremden unruhigen Elemente weist Kernkamp S.288f. hin;
1791 entstanden Unruhen unter den Brennerknechten; im nächsten Jahre mußte
gegen eine Reihe böswilliger Elemente mit Militär eingeschritten werden (van
Riemsdijk, Si ı149f.):
5 Heeringa, S. 205ff.
$) Pringsheim, S: 70.
’) Darauf weist hin Brugmans, Opkomst, S. 61.
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