wird man die vorlilufige Vorstellung von St, Simons Denkungs
art weit richtiger gestalten, wenn man davon ausgeht, dass man
es mit einer gegen den zerstörenden Charakter des Revolutio
nären und auf den Positivismus des Schagens gerichteten
Sinnesart zu thun hat. Es würde sogar nicht einmal emo un-
richtio-e, wenn auch leicht missverständliche Formulirung sein,
wenn man sagte, dass St. Simon eine Art reactiver Gegen-
wirkung gegen die Grundsätze der Französischen Revolution
vertreten habe. Ganz unbedenklich gestaltet sich der letztere
Satz, sobald man hinzufügt, dass die fragliche geistige Reaction
zu einem grossen Theil selbst von den Errungensc a ten er
neuen Anschauungsweise getragen gewesen sei. Die haupt
sächlichsten Veröffentlichungen specifisch socialer Art fielen
überdies in eine Zeit, in welcher der Autor bereits dem Ein-
druck der Rostaurationsherrschaft ausgesetzt war. Greifen wir
jedoch der Angabe einiger Thatsacheii aus seinem Leben
nicht vor. _ .
Der Graf Saint Simon (1760 —1825) aus Paris, stammte
nach seiner eignen Meinung von Karl dem Grossen ab und
war der nächste Verwandte des durch seine Memoiren be
kannten, der Zeit Ludwigs XIV angehörigen Herzogs Samt
Simon. In glänzenden Verhältnissen und mit viel Aufwand
erzogen, unter Andern auch von d’Alembert unterrichtet, trug
er sich schon in sehr jugendlichem Alter mit Ideen von einem
grossen persönlichen Beruf. Bezeichnend ist die neu ,
dass er sich als junger Herr mit der Anrede habe wecken
lassen: „Stehen Sie auf, Herr Graf, denn Sie haben grosse
Dingo zu thun.” Mit 17 Jahren in die Welt selbständig ei -
getreten, gelangte er in verhältnissmässig kurzer ^it zu man-
nichfaltigen Rollen jenseits und diesseits des Oemns. Er
leistete Kriegsdienste unter Washington, bemühte sich für seinen
Plan eines interoceanischen Canals bei der Mexikanischen Re-
gicruno', betrieb in Holland eine Expedition gegen die Indischen
Colonien der Engländer, ohne zur deffuitiven Ausí^rung
gelangen, und verfolgte in Spanien ein fur die HauptsWt
dieses Landes wichtiges Canalproject. Die Eranzösiscbe R^
volution, welche auch diese letzte Unternehmung abschnitt,
brachte ihn ausserdem so ziemlich um Alles, d, h. ausser um
seine aristokratische Stellung auch um ein sehi giosses i^r
mögen. Um für philanthropische Zwecke wieder Mittel zu er-