Full text : Denkschrift der Ersten k. k. privilegirten Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft zur Erinnerung ihres fünfzigjährigen Bestandes

Brücken,  26  Kohlentender  u.  s.  w.  in  sich  schloss,  ein  schweres  Bedenken  gegen  dessen  Uebernahme.
  Nur  die  Erwägung,  dass  der  ungarischen  Gesellschaft  zugleich  zwei  Kohlenbergwerke
im  Reviere  von  Fünfkirchen,  und  zwar  im  Herzen  des  gesellschaftlichen  Besitzes,  zum  grösseren
r lheile  gehörten;  dass  dadurch  die  Gesellschaft  für  eine  Reihe  von  Jahren  der  Nachschaffungen
an  Schiffsmaterial  überhoben,  somit  Restrictionen  im  Betriebe  der  gesellschaftlichen  Werften
ermöglicht  wurden;  dass  die  Beseitigung  der  Concurre'nz  wieder  eine  rationelle  Tarifstellung ­
  gestattete,  und  endlich  die  patriotische  Pflicht,  die  Auflösung  des  ungarischen  .Unternehmens ­
  durch  die  gesellschaftliche  Intervention  materiell  zu  erleichtern,  entschieden  für  die
Annahme  des  Vertrages,  kraft  dessen  die  Donau  -  Dampfsehiffahrts-  Gesellschaft  das  gesummte
Eigenthum  der  Vereinigten  ungarischen  Dampfsehiffahrts  -  Gesellschaft  zu  dem  Pauschalbeträge ­
  von  4,405.100  fl.  mit  der  Verpflichtung  übernahm,  von  einer  eventuellen  Dividende
ober  6  Percent  an  die  Aktionäre  der  Vereinigten  ungarischen  Dampfsehiffahrts  -  Gesellschaft
10  Percent  zu  vertheilen.  Zu  diesem  Zwecke  wurden  denselben  sogenannte  Genussscheine
ausgestellt.
Der  diesbezügliche  Vertrag  erhielt  die  Genehmigung  der  ausserordentlichen  Generalversammlung ­
  vom  14.  April  1874  und  wurde  im  Laufe  desselben  Jahres  anstandslos  in  der  Art
durchgeführt,  dass  nach  Uebernahme  des  gesummten  Besitzstandes  der  Vereinigten  ungarischen
Dampfschiffahrts-Gesellschaft  zur  Tilgung  des  Kaufschillings  deren  Anlehensschuld  im  Betrage
von  2,978.800  fl.  anerkannt  und  der  Rest  in  Baarem  beglichen  wurde.  Die  Mittel  hiezu  hatte,
nachdem  das  im  Jahre  1873  realisirte,  in  Gold  verzinsliche,  Anlehen  im  Betrage  von  5  Millionen
Gulden  durch  die  früheren  Bedürfnisse  der  Gesellschaft  erschöpft  war,  der  Beschluss  der
Generalversammlung  vom  29.  Mai  1874  zur  Verfügung  gestellt,  indem  er  die  Gesellschaftsverwaltung
  zur  Vermehrung  des  Actiencapitals  bis  zu  der  Höhe  von  30  Millionen  Gulden,
somit  zur  Ausgabe  von  neuen  Actien  im  Betrage  von  4,800.000  fl.,  ermächtigte.
So  war  die  Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft  mit  einem  Schlage  zu  einer  nicht
allein  ausreichenden,  sondern  ihren  Bedarf  weit  übersteigenden  Vermehrung  ihrer  Fahrbetriebsmittel,
  zugleich  aber  auch  in  den  Besitz  des  ganzen  nächst  Fünfkirchen  liegenden  Kohlenbeckens
gelangt;  sie  gebot  Ende  1874  über  eine  Flotte  von  200  Dampfern  mit  17.801  Pferdekräften,
über  655  eiserne  und  65  hölzerne  Transportschiffe;  zur  Stromräumung  standen  5  Baggerschiffe
mit  29  Pferdekräften  zu  Gebote.  Der  gesellschaftliche  Grubencomplex  umfasste  227  Grubenlelder
  à  12.544  Quadratklafter  und  392.609  Quadratklafter  Ueberschaaren  an  Eigenbesitz  und
<>1  Grubenfelder  nebst  31.934  Quadratklaftern  im  Pachtbetriebe.  Die  Gruben  von  Fünfkirchen,
wie  die  Szabolcser  Werke,  waren  durch  Zweiggeleise  mit  der  Mohäcs-Fünfkirchener  Bahn  in
Verbindung  gesetzt  und  mit  Betriebsmaschinen  aller  Art  zur  Förderung  von  Rohkohle  wie  zur
<  oaks-  und  Briquettesbereitung  eingerichtet.  Leider  sollte  für  letztere  der  wüuschenswerthe
Bedarf,  wie  für  den  Schiffspark  die  genügende  Alimentation,  ausbleiben.
Schon  das  Jahr  1873  war  ein  Jahr  der  Enttäuschung  und  ernstesten  Prüfung.  Die  Weltausstellung ­
  brachte  statt  des  erhofften  materiellen  Gewinnes  nur  erhöhte  Auslagen.  Der  Ausbruch ­
  der  finanziellen  Krisis  erschütterte  den  Credit,  die  Grundlage  alles  Handels,  in  seinen
Grundfesten  und  lähmte,  immer  weitere  Kreise  ziehend,  jeglichen  Verkehr.  Ungarn,  von  einer
Missernte  heimgesucht,  war  gezwungen,  statt  andere  Länder  mit  seinem  Ueberflusse  zu  versorgen, ­
  seinen  eigenen  Bedarf  aus  anderen  Provinzen  und  Nachbarländern  zu  holen,  und  zwar
in  dem  Masse,  dass  sich  angesichts  dieser  traurigen  Nothwendigkeit  sogar  die  Regierungen
            
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