Full text: Denkschrift der Ersten k. k. privilegirten Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft zur Erinnerung ihres fünfzigjährigen Bestandes

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Schätzung abzulösen haben sollte. Für den Fall aber, als er den Betrieb der Bahn früher an 
sich nehmen würde, sollte derselbe gehalten sein, ausserdem die noch restirende, d. h. nicht 
amortisirte Bausumme an die Gesellschaft zu bezahlen. 
Es bildet dieses Uebereinkommen jedenfalls ein bahnpolitisches Unicnrn in der Geschichte 
des Eisenbahnwesens. Zu seiner Verwirklichung wurde von der Generalversammlung vom 
30. April 1853 eine neue Actienemission im Betrage von 4% Millionen Gulden beschlossen, 
die vom Jahre 1855 ab gleich den übrigen Actien der Gesellschaft an dem Gesammterträgnisse 
der Unternehmung participiren sollte. — 
Inzwischen waren neuerdings politische Wirren ein getreten, welche, in der heilige 
Stätten-Frage ihren Ausgang nehmend, mit derlnpfandnahme der Donaufürstenthümer durch Russ 
land zu dem Ausbruche des orientalischen Krieges führten, der, bevor noch der Kanonendonner 
der Seeschlacht von Sinope die Westmächte gegen das Czarenreich in die Schranken rief, seine 
Schrecken in den Kämpfen um die Donaufestungen entfaltete, hiedurch den Verkehr mit dem 
Oriente, sowie den Verkehr auf einem grossen Theile der unteren Donau unterbrach, und, indem 
er auch den österreichischen Kaiserstaat in seine Wirbel zu ziehen drohte, die Geschäftsstockung 
längs der ganzen Donau allgemein machte. 
Mit Rücksicht auf die Möglichkeit eines Kriegsfalles und die dadurch gebotenen Truppen 
bewegungen nahm 1854 das k. k. Flottillen-Obercommando bald nach Beginn der Schiffahrts 
periode die vertragsmässige Ueberlassung von neun Dampfbooten zu militärischen Zwecken, sowie 
eines weiteren Bootes zur Besorgung des Gordons- und Ueberfuhrdienstes zwischen Semlin, 
Pancsova und Belgrad, in Anspruch. Ausserdem musste die Gesellschaft kraft jenes Ueberein- 
kommens sehr bedeutende Truppen-, Kriegsmaterial- und Proviantverschilfungen für das 
k. k. Militärärar zu sehr ermässigten Frachtsätzen bewerkstelligen, wodurch die verfügbaren 
Transportmittel empfindlich geschmälert wurden, während die in Frankreich und England gebauten 
Schifte wegen der Kriegsverhältnisse an der unteren Donau entweder nicht in dieselbe gelangen 
konnten und wieder veräussert, oder, soweit sie noch nicht fertig und ausgelaufen waren, zerlegt 
nach Oesterreich gebracht werden mussten, um hier zusammengesetzt zu werden. 
Unter solchen Umständen musste sich die Gesellschaft Glück wünschen, dass es ihr 
gelungen war, neben der Beschaffung ausreichenden Schiff-, Bau- und Betriebsmateriales auch 
den Bedarf an Kohlen, deren Preise sich in ganz Europa und so auch in Oesterreich in Folge 
des ausserordentlich vennehrten Verbrauches, wie in Folge der kostspieligeren Förderung und 
der erhöhten Transportkosten, ausserordentlich gesteigert hatten — in England und Belgien 
z. B. um 50—100% — zu dem Durchschnittspreise von 43 4 kr. zu decken, und für die 
Zukunft durch Erwerbung mächtiger Kohlenlager, die sie 1853 durch den Ankauf weiterer 
Gruben im ungefähren Ausmasse von 10 Joch, 1854 aber durch Pachtung eines Theiles der 
Kohlenfelder der Stadtgemeinde Fünfkirchen noch erweiterte, sicherzustellen; sowie dass 
sie hoffen durfte, durch den Ausbau der Eisenbahn, deren Theilstrecke von den Gruben bis 
Üszög schon mit 1. November 1854 eröffnet werden konnte, deren Transportkosten 
herabzudrücken. 
Die Gesellschaftsverwaltung unterbrach indess auch jetzt nicht ihre unausgesetzte Be 
mühung, den Geschäftsbetrieb zu vervollkommnen. So wurde die Versicherung der Transporte für 
Rechnung der Gesellschaft eingeführt, wodurch es möglich ward, die bis dahin bestandene Prämie 
um 25—75% herabzusetzen, ohne die Interessen der Gesellschaft zu beeinträchtigen. Die
	        
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