Full text : Denkschrift der Ersten k. k. privilegirten Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft zur Erinnerung ihres fünfzigjährigen Bestandes

Das  Jahr  1880  tear  das  fünfzigste  der  Ersten  k.  1¿.  priv.  Donau-Dampf  schiffahrts-Gesellschaft,
  welche  1880  mit  einem  Anlagccapitale  von  100.000  fl.  zu  dem  Zwecke  ins  Leben
getreten  tear,  um  die  Donau  mit  einem  Dampf  boote  mit  00  Pferdekräften  zu  befahren  und  auf
derselben  Personen  und  Waaren  zu  verfrachten.  Aus  dem  unscheinbaren  Keime  war  im  Laufe
eines  halben  Jahrhunderts  das  grösste  bestehende  Schiffahrtsunternehmen  erwachsen,  'nicht  nur
in  Europa,  sondern  in  allen  Ländern  der  Welt.
Durch  die  Eigenart  seiner  Lebensbedingungen,  wie  die  Originalität  seines  Entwicklungsganges, ­
  sehliesst  es  jede  Parallele  mit  anderen  Transport  anstatt  en  aus,  welche  inzwischen  zum
Theile  mit  dem  Aufgebote  von  Hunderten  von  Millionen  Gulden  ins  Leben  gerufen  wurden,
mögen  sie  dem  Völkerverkehre  auf  den  eisernen  Strängen  der  Schienenwege  dienen,  oder  mit
scharfem  Kiele  das  Meer  durchfurchen.
Die  Donau-Dampf  schiffahrts-Gesellschaft  ist  in  diesem  Sinne  einzig  in  ihrer  Art,  wie
der  gewaltige  Strom,  den  ihre  Schiffe  befahren.  So  wenig  letzterer  in  seiner  zum  grössten  Theile
noch  dem  Urzustände  gleichenden  Verwilderung  mit  den  culturumsäumten  Kunstwasserstrassen
des  Phcines  oder  der  Elbe  zu  vergleichen  ist,  ebensowenig  können  die  Leistungen  der  Iihcin-  und
Elbeschiffahrt  den  Massstab  für  jene  der  Donau-Dampfschiffahrt  abgeben,  und  werden  deren
Erfolge  durch  die  Angabe  der  bewegten  Tonnenkilometer  oder  der  Zahl  der  beförderten  Personen
nicht  erschöpft.  Denn  den  Verkehr,  den  sie  heute  aus  den  Gegenden  der  unteren  Donau  und  wol
auch  von  anderwärts  vermittelt,  musste  sic  erst  erwecken  und  entwickeln,  und  zwar  in  Gegenden,
wo  alle  Bedingungen  eines  geregelten  Vcrkehrslcbcns  fehlten,  wo  die  Menschen  theifweise
noch  in  Erdhütten  und  Höhlen  hausten.  Mit  Einem  Worte:  die  Mission  der  Donau-Dampfschiff ­
  dirts-  Gesell'schuft  war  von  allem  Anfänge  an  zum  nicht  geringen  Theile  eine  Culturmission
und  ist  es  bis  zum  heutigen  Tage  geblieben.  Und  dass  sieh  die  Gesellschaft  dieser  Mission  stets
bewusst  gewesen,  dass  sie  dieselbe  durch  die  Förderung  der  Verkehrsverhältnisse  zu  erfüllen
gesucht  hat,  darin  liegt  der  Grund,  weshalb  bei  ihr  das  allgemeine  Interesse  mit  dem  geschäftlichen ­
  harmonisch  verbunden  ist,  Handel  und  Verkehr  keinen  Anlass  finden,  jene  Herrschaft  zu
bekämpfen,  die  sie  übt,  selbst  nachdem  ihr  Privilegium,  welches  de  facto  schon  im  Jahre  1858
erlosch,  auch  dejare  gefallen  ist.
Und  dieses  Moment  war  es  auch,  auf  welches  die  Staatsverwaltung  in  dem  Begrüssungsschreiben
  hinwies,  das  sie  aus  Anlass  des  Schlusses  der  ersten  fünfzigjährigen  Geschäftsperiode
an  die  Gesellschaftsverwaltung  richtete.
Es  lautet:
»Die  erste  k.  k.  priv.  Donau-Dampfschitfahrts-Gesellschaft  vollstreckt  im  Laufe
dieses  Jahres  das  fünfzigste  Jahr  ihres  Bestandes.
Nur  durch  grosse  Thatkraft,  beharrliche  Arbeit,  pflichttreues  Zusammenwirken
aller  Kräfte  unter  umsichtiger  Leitung  konnte  es  der  Donau-Dampfschittährts-Gesellschaft
gelingen,  im  Laufe  eines  halben  Jahrhunderts  die  verschiedensten  Hindernisse,  die  sich  der
gedeihlichen  Entfaltung  der  Dampfschiffahrt  und  der  damit  verbundenen  Förderung  der
wirtschaftlichen  Interessen  der  Monarchie  entgegenstellten,  zum  Wolile  der  Gesellschaft ­
  wie  zum  Nutzen  des  durch  sie  vermittelten  Verkehres  zu  überwinden,  und,
im  Bestände  lediglich  auf  die  eigene  Kraft  gestützt,  bis  zu  dem  Grade  geschäftlicher
Ausbreitung  und  innerer  Consolidirung  vorzuschreiten,  welche  dieses  Unternehmen  derzeit
erreicht  hat.
            
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