Object: Neueste Zeit (Abt. 3)

3800Fuünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
Sardinien unter dem General Lamarmora an dem Kriege teil. 
Allein noch immer hielt sich Sebastopopl. Da starb am 
2. März 1855 Nikolaus J., und ihm folgte in Alexander II. 
ein friedliebender junger Fürst, der nach Rettung der militä⸗ 
rischen Ehre zum Friedensschlusse bereit war. Damit kam in 
die schon länger geführten Friedensverhandlungen ein frischer 
Zug. Freilich war an eine rasche Beendigung nicht zu denken, 
da sich erst die Tripelallianz, Frankreich, England, Hsterreich, 
uüber ihre Forderungen einigen mußte. Und hier zeigte sich 
nun, daß die Westmächte, namentlich Napoleon, Rußland Zu— 
mutungen zu stellen beabsichtigten, welche Osterreich zu hoch 
fand. Es kam zum Zwist zwischen den Verbündeten; OÖsterreich 
trat zurück; in einer Thronrede vom 2. Juli 1855 klagte 
Napoleon dies Verhalten rückhaltslos an: der Krieg wurde mit 
erneutem Feuer aufgenommen. 
In Deutschland aber entrüstete man sich nicht minder 
über Osterreich; es sei gewichen; jetzt sei Napoleon Herr der 
Lage: wo aber sei ein einiges Deutschland? So verlangte 
man von neuem eine Reform des Bundes; und der Ruf nach 
einer deutschen Volksvertretung wurde selbst im Bundestage ver⸗ 
nommen. 
Aber die Kriegsereignisse vollendeten inzwischen ihren macht⸗ 
vollen Gang. Am 28. September 18558 fiel Sebastopol; Ruß⸗ 
land war damit nicht bezwungen, doch der Kriegsehre der West⸗ 
mächte war genug getan. Andererseits eroberte der russische 
General Murawiew am 27. November 18858 die türkische Festung 
Kars; auch Rußland stand nicht ohne kriegerische Lorbeeren da. 
So versuchte es denn OÖsterreich mit einer neuen Ver— 
mittlung. Sie fiel auf günstigen Boden, um so mehr, als 
sich Preußen und die deutschen Kleinstaaten im Laufe des 
Jahres 1885 immer mehr Rußland zugeneigt hatten. Am 
25. Februar 1886 wurde zu Paris der Friedenskongreß er⸗ 
öffnet. Er schloß am 80. März 1856 mit Abmachungen, die 
Rußland verhältnismäßig leichte Verluste auferlegten. Die 
Donauschiffahrt sollte frei sein, die Donaufürstentümer wurden 
neben der Suzeränität des Sultans auch dem Schutze der
	        
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