Brücken und Viadukte.
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Ersatz gefunden hatte. In Nachahmung der Holzkonstruktion benutzte er zunächst steinerne
Platten als Balken, und um den Zwischenraum zwischen zwei Pfeilern vergrößern zu
können, schob er die Platten auf den Pfeilern konsolenartig vor, d.h. er kragte sie aus
und bedeckte dann den verbleibenden Zwischenraum mit der Schlußplatte. Es ist von
besonderem Interesse, darauf hinweisen zu können, daß dieses in der Kindheit des Brücken
baues angewandte Grundprinzip heute wieder, zu einer Zeit, in der die Brückenbauknnst
eine ganz erstaunliche Ausbildung aufweist, in den sogenannten Auslegerbrücken, welche
weiterhin eingehender zu schildern sein werden, zur Anwendung kommt.
Die Überkragung durch Steinplatten oder Steinbalken ermöglichte jedoch nicht die
Überspannung größerer Weiten. Da im Altertume Eisen überhaupt nicht für Brücken
bauten zur Verwendung
kam, so konnte diese Auf
gabe in Steinmaterial nur
durch die Schaffung von
Gewölben gelöst werden.
Früher glaubte man, daß
die so außerordentlich be
deutungsvolle Erfindung
des Gewölbes in einer
verhältnismäßig erst späten
Zeit erfolgt sei, und man
schrieb sie dem lachenden
griechischen Philosophen
Demokrit zu. Die moderne
Forschung hat jedoch dar-
gethan, daß schon vor
Jahrtausenden Gewölb-
oder wenigstens gewölb-
artige Bauten errichtet
wurden. So weisen schon
einzelne Pyramiden über
wölbte Grabkammern auf.
Die Etrusker müssen
nach den bisherigen Er
mittelungen als das Volk
angesehen werden, welches
zuerst wirklich gewölbte
Brücken zur Ausführung
brachte. Die Schüler dieses
Volkes auf so vielen Ge
bieten,dieRömer, erreich
ten in der Brückenbaukunst
im Altertume die größte Meisterschaft. Die nach allen Himmelsrichtungen führenden und
nach allen damals bekannten Ländern sich erstreckenden Römerstraßen bedingten eine über
aus große Zahl von Brückenbauten, von welchen heute noch viele in ihrer imposanten
Größe erhalten sind.
Als die bedeutendsten Brücken innerhalb der Stadt Rom sind der Pons Fabricius
und der Pons Cestius, welche die Tiberinsel mit den beiderseitigen Ufern verbanden,
sowie der zur Zeit Kaiser Hadrians von dem Kurator Messius Rusticus im Jahre 138 n. Chr.
erbaute Pons Älius zu nennen. Diese Brücke ist heute unter dem Namen Engelsbrücke
bekannt. Sie führt nach der Engelsbnrg, dem ehemaligen Grabmal des Kaisers Hadrian.
Unter dem Kaiser Trojan, der auf allen Gebieten der Baukunst eine rege Thätigkeit ent
faltete, wurden zwei der bedeutendsten Brückenbauten, welche das Altertum überhaupt
hervorgebracht hat, vollendet, die Donaubrücke und die Brücke von Alcantara über
388. Hängebrücke über den Wo Ctzatutirmbo.
Nach „Mutter Erde", 1899.