Object: Neueste Zeit (Abt. 3)

432 Vierundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
nun immer entschiedener ausgebaut. Auf diesem Gebiete hatte 
allerdings schon der Wiener Kongreß die Freiheit der Fluß— 
schiffahrt grundsätzlich anerkannt, während er die Frage einer 
künftigen zollpolitischen Einheit mit nichtssagenden Bemerkungen 
abgetan hatte. Aber erst die fünf Lustren hin bis zur Ent—⸗ 
stehungszeit des größeren Zollvereins brachten die Ausführung 
des grundsätzlichen Beschlusses. Zuerst, schon im Jahre 1819, 
wurde die Weserschiffahrt frei; nur noch für Strombauten und 
Instandhaltung des Leinpfades hatten die Schiffer mit auf⸗ 
zukommen. Schwerer wurde es, die Elbe von dem Egoismus 
der Uferstaaten freizumachen, doch war auch ihr Befahren seit 
1822 nur noch mit geringen Kosten verknüpft. Am schwersten 
aber hielt es, die Verhältnisse der Rheinstraße, der bedeutendsten 
von allen, denn schon bei Basel hat der Strom das Doppelte 
und bei Mannheim das Vierfache der Wassermasse, mit der er 
den Bodensee verläßt, zur Zufriedenheit der Schiffahrt und des 
Handels zu ordnen: erst im Jahre 1831 fielen die letzten der 
hindernden Privilegkien. Damit war denu aber auch Außer⸗ 
ordentliches gewonnen; denn noch bildeten in unserem Zeit⸗ 
raum die natürlichen Wasserwege bei weitem die wichtigsten 
Transportstraßen, da der Ausbau der künstlichen in Deutsch⸗ 
land in engen Grenzen geblieben war und der Bau von irgend⸗ 
welchen Spurwegen, insbesondere Eisenbahnen, noch ganz in 
den Anfängen stak, wenn nicht völlig versagte. 
Neben den Strömen kamen so eigentlich nur noch die 
Kunststraßen, die Chausseen, in Betracht. Und für ihren Bau 
geschah allerdings Außerordentliches; wobei in ihrer Anlage 
neben den militärischen Interessen jetzt mehr als je auch die 
wirtschaftlichen Bedürfnisse berücksichtigt wurden. Preußen ins⸗ 
besondere, das 1816 erst 5222/2 Meilen Landstraßen gehabt 
hatte, baute so stark, daß das Netz im Jahre 1831 schon eine 
Ausdehnung von 11471,3 Meilen hatte; und dieser Umfang 
verdoppelte sich bis zur Mitte der vierziger Jahre nochmals. 
Allein in den Jahren 1820 1884 wurden gegen 12 Millionen 
Taler für Straßenbauten verausgabt. 
Da lag es denn freilich in der Konsequenz der Dinge,
	        
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