MH. Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.
1. Die Urbevölkerung und ihre Wirtschaft vor der
Ankunft der Europäer.
Die indianische Bevölkerung Mexicos war zur Zeit der
ersten Ankunft der Europäer in eine große Zahl von Stämmen
verschiedener Sprache und Kulturhöhe gespalten. Ihre Über-
lieferungen und geschichtlichen Nachrichten sowie sprachliche
und kulturelle Zusammenhänge lassen es unzweifelhaft er-
scheinen, daß zahlreiche und bedeutende Wanderungen ein-
zelner Völkerstämme stattgefunden haben, daß die Mehrzahl
der Stämme von Norden her, eine geringe Zahl (z. B. Chia-
paneken, Mixteken, Huaves) auch von Süden her ins Land
gekommen sind und daß in diesem selbst bedeutende Schie-
bungen stattgefunden haben. Die‘ Ursachen der zahlreichen
Wanderungen waren teils politischer Art (Kriege und Be-
drückung), teils sanitärer (Seuchen), teils wirtschaftlicher (Miß-
wachs, allmähliche Erschöpfung des. Bodens). Im 15. Jahr-
hundert n. Chr. gab es im jetzigen mexicanischen Staatsgebiet
zwei Großmächte, die zugleich die höchste Kulturhöhe inner-
halb des. Landes repräsentierten: das Reich der Mayas*) auf
Yucatin mit der Hauptstadt Mayapän und das Reich der
Azteken auf dem Hochlande von Mexico?) mit der Hauptstadt
Tenochtitlan (Mexico); während aber das Mayareich mit dem
Fall von Mayapän (1446 n. Chr.) in mehrere Teile zerfiel,
breitete sich das Aztekenreich kraftvoll weiter aus, ohne jedoch
zu Beginn des 16. Jahrhunderts mehr als einen (allerdings be-
trächtlichen) Teil des jetzigen Staatsrebietes unterworfen oder
1) Nach Morleys und Spindens Forschungen sollen die Mayas
um 600 n. Chr. von Süden (Guatemala) her in Yucatän bereits als hoch-
stehendes Kulturvolk eingewandert gein.,
2) Irrtümlich auch Hochland von Anahuac genannt. Mit anahuac be-
zeichneten die Azteken die Küstengebiete.