Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft.
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ihrer Fälligkeit verlängert werden und ein Jahr nach Friedensschluß
zurückzuzahlen sind. Über den weiteren Austausch von Krediten gegen
Gold auf Basis dieses Abkommens sind zuverlässige Nachrichten nicht
zu ermitteln gewesen.
Im Kern läuft diese Vereinbarung für den Darlehnsgeber nur darauf
hinaus, die Kredite auf einen festen Boden zu stellen, gleichsam ein
Pfandobjekt in den Händen zu halten, dessen Güte über alle Zweifel
erhaben ist und unter keinen Verlusten realisiert werden kann. Die sich
hierum gruppierenden sonstigen Bestimmungen, kurze Leihfrist, Deckung
durch Schatzwechsel, sind mehr oder minder schmückendes Beiwerk.
Frankreich glaubt jetzt keinen anderen Ausweg zu haben, die Valuta-
Entwertung wirksam zu bekämpfen, als den Goldexport durch die Bank
von Frankreich. Daher auch die bereits geschilderte, intensiv betriebene
Goldbewegung in die Keller der Notenbank in der zweiten Hälfte des
Jahres 1915, um die Bestände der Notenbank nach Möglichkeit zu schonen,
sie für die künftigen Tage zurückzuhalten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß
durch einen genügend hohen Goldexport zur Deckung höherer Kredite
eine ansehnliche Hebung und sogar eine längere Zeit anhaltende Ver
besserung der einmal gehobenen Frankendevise in gewissen Grenzen
erzielt werden kann. Hierüber waren sich auch die Banktheoretiker
Frankreichs einig. Aber es muß doch höchstes Erstaunen erregen, daß
zahlreiche Vertreter der französischen Volkswirtschaft bei den Diskus
sionen über diesen Punkt sich geradezu rückhaltlos für einen Goldexport
in jedem Umfange aussprachen, und ihn für durchaus unschädlich nach
jeder Richtung ansahen. Keine Summe erschien ihnen zu klein. In
den Diskussionen, die in der „Societe d’Economie Politique de Paris“
gehalten wurden, traten bei einer Besprechung über die Devisenkurse
die Volkswirtschaftler Maroni, Fernaux, Alfred Neymarck
für einen uneingeschränkten Goldexport ein 1 ). Maroni z. B. sagt an
einer Stelle seiner Rede, daß der gewöhnlich hingeworfene Einwand, mit
dem Goldexport vermindere sich der innere Wert der Noten, nicht zu
trifft ! Denn die Noten erhalten ihren Wert nicht aus der metallenen
Deckung. Auch P. Leroy-Beaulieu ist, wie bereits erwähnt, ein
eifriger Vertreter für den uneingeschränkten Goldexport. Nur zwei
Redner sprachen frei ihre Bedenken aus: D e c a m p s und M a n c h e z.
Decamps weist darauf hin, daß die Öffentlichkeit das Gold als die
alleinige und notwendige Deckung und Garantie für die emittierten Noten
ansehe. Wenn man auch geneigt sein sollte, diese Ansicht als ein un
begründetes Vorurteil anzusprechen, so ist es dennoch unmöglich, es zu
vernachlässigen oder garnicht zu beachten. Das Ausland sieht zuerst
auf den bei der Notenbank aufgehäuften Goldschatz, und ohne ihn hätte
die Bank von Frankreich die französische Valuta nicht so halten und
sich Kredite im Auslande verschaffen können. „Dieser Goldschatz schließt
ein machtvolles Kreditelement in sich", sagte D e c a m p s wörtlich.
Auch M a n c h e z schließt sich den Ansichten von D e c a m p s an.
1 ) L’Economiste Franpais Nr. 44, 30. Oktober 1915.