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Politische Unterwürfigkeit
Schließlich standen die mächtigsten politischen Parteien
beide unter der Herrschaft des Reichtums; natürlich nicht
offen, aber im geheimen. Meinungsverschiedenheiten be-
standen zwar zwischen ihnen, aber diese Meinungen be-
:rafen die Grundstruktur der Gesellschaft in keiner Weise,
noch bedrohten sie irgendeines der fundamentalen Vor-
rechte der Reichen. Die politischen Schlachten waren mit
Ausnahme des späteren Kampfes, der über das Schicksal
der Leibeigenschaft entschied, bloße Scheingefechte.
Beide Parteien erhielten den größeren Teil ihres Wahl-
fonds von den Männern mit großem Reichtum, von den
Bankgesellschaften und anderen Interessenten. Astor z. B.
trug immer zum liberalen Fonds bei, für die Whig-Partei
und für die demokratische. Dafür betrachteten sich die
von diesen Parteien ins Parlament gesandten Politiker, die
zleichfalls gewählten Richter und Verwaltungsbeamten ge-
wöhnlich für verpflichtet gegenüber jenen, die ihre Wahlkam-
pagnen finanziert hatten und die die Macht besaßen, durch
Verweigerung des Fonds oder durch Unterstützung der an-
deren Partei ihre Wiederwahl zu hintertreiben. Die Massen
des Volkes waren in diesen politischen Kämpfen bloße Schach-
figuren, aber nur wenige von ihnen sahen ein, daß die Er-
regung, die Parteigeschäftigkeit und der Enthusiasmus, in
den sie sich warfen, keine andere Bedeutung hatte als die, sie
noch fester in ein System zu verketten, dessen Nutznießer
immerfort mehr Rechte bekamen auf Kosten des Volkes,
und deren Reichtum daher in beschleunietem Tempo wuchs.
Astor wird der vreichste Mann Amerikas
Astor war jetzt der reichste Mann in Amerika. Im Jahre
1847 wurde sein Vermögen auf volle 20 Millionen Dollar
geschätzt. In der ganzen Länge und Breite der Vereinigten
Staaten gab es keinen, dessen Reichtum dieser Summe auch
nur annähernd gleichkam. Wie überragend er dastand,
ergibt sich aus einer Gegenüberstellung mit den Reich-
tümern anderer Leute, die man für sehr reich ansah.