II. Theil. Statistik der Sterbeialle
Gewicht nie sehr bedeutend geltend gemacht; am meisten im
dritten Jahrzehnt, wo ihr 3,07 % aller Sterbefälle zuzuschreiben
sind.
Auch das Gewicht der »anderen Infectionskrankh
eiten« schwankt, scheint aber im Ganzen doch in der Abnahme
begriffen zu sein, was dann wohl auch den Fortschritten
der Therapie dieser Krankheitsgruppe zuzuschreiben wäre.
Der Lungenschwindsucht wurde schon oben gedacht.
Der dort angedeutete Grund einer im Ganzen doch ersichtlichen,
wenn auch mäsigen Abnahme des Gewichtes dieser
Todesursache wird auch durch die gewiss, bedeutsame — freilich
aus dem vorliegenden Tabellenwerke nicht erhellende —
Thatsache gestützt, dass die Lungenschwindsucht mit den
Jahren immer geringere Opfer aus den Reihen der erst kurze
Zeit Versicherten fordert; man ist also mit der Zeit geschickter
in der Diagnose der Krankheitsanlagen und strenger in der
Abwehr solcher Versicherungen geworden, welche in der fraglichen
Richtung auch nur Spuren von Bedenken erregen. Auf
eine Abnahme der Häufigkeit dieser verheerenden Krankheit,
oder auf eine Abschwächung ihrer Gefährlichkeit im Allgemeinen
dürfte man, angesichts der Resultate der allgemeinen medicinischen
Statistik, leider auch dann nicht schliessen, wenn die
Leb en s ver si cher un gs- Statistik durchgehends eine selbst noch
viel stärkere allmähliche Abnahme des Gewichtes dieser Todesursache,
als sie für eine einzelne Anstalt aus der obigen Uebersiclit
erhellt, constatiren könnte. Uebrigens muss auch stark
bezweifelt werden, dass eine solche Abnahme für die gesammte
deutsche Lebensversicherung constatirt werden würde.
Die fünfte der obigen Todesursachen (Krebs) zeigt bei
absolut ziemlich beträchtlichen Zahlen eine procental-bedenkliche
Zunahme im Laufe der Jahrzehnte. Es muss dahin gestellt
bleiben, ob dieses verderbliche und jeder ärztlichen Kunst noch
trotzende Leiden überhaupt in dem fraglichen Beobachtungsgebiete
und Zeiträume erheblich zugenommen hat, oder ob die
Steigerung seines Gewichtes nach Ausweis der vorliegenden
statistischen Daten auf irgend eine andere Ursache zurückzuführen
ist. Wachsam genug wird seit geraumer Zeit auch
dieser schlimme Feind beobachtet.
Der Einfluss des Gelenk-Rheumatismus ist absolut
nicht erheblich und zeigt relativ eine Tendenz zur Abnahme.
Hier mögen theils die Fortschritte der Therapie, theils Cautelen
bei der Antragsprüfung abschwächend ein wirken.
Geisteskrankheiten spielen an sich in der vorliegenden
Statistik keine sehr bedeutende Rolle — 83 unter 22017 Sterbefällen
sind auf diese Todesursache zurückgeführt. Kaum kann
man annehmen, dass hier die Diagnose häufig fehlgegangen
sei; wäre sie es, so wäre wohl eher zu viel, als zu wenig auf
dieses Conto gekommen. Wäre der Factor an sich gewichtiger,
so würde man versucht sein, die ersichtliche procentale Zunahme
seit 1849, welche freilich den Procentsatz des ersten
Jahrzehnts nicht wieder erreicht, aus der ersten der Ursachen
zu erklären, aus welchen oben die viel beträchtlichere Zunahme
des Gewichtes der chronischen Herzkrankheiten zu erklären
versucht wurde.
Auf diese Ursache ist mit einiger Sicherheit der im Ganzen
steigende Einfluss der beiden folgenden Klassen (»Gehirn-Entzündung»
und »Chronische Gehirn- und Rückenmarks-Krankheiten«),
vielleicht auch das in den letzten
beiden Jahrzehnten beträchtlich steigende und an sich stets
sehr erhebliche Gewicht des Gehirn-Schlagflusses (Kl. 18)
zurückzuführen. Freilich dürfte, wie schon oben angedeutet,
ein grosser Theil der unter Kl. 18 gezählten Todesfälle mit
gleichem Rechte unter Kl. 23 (Altersschwäche) unterzubringen
gewesen sein. Das Durchschnittsalter der an Gehirn-Schlagfluss
Gestorbenen betrug 61,93 Jahre, und bekanntlich ist der
Gehirn-Schlagfluss eine der häufigeren Formen, zu denen der
Marasmus des Alters führt. Wie in den vorliegenden Tabellen,
so werden ja in der Regel unter der Todesursache »Altersschwäche«
ausschliesslich jene Fälle rubricirt, bei denen die
Auflösung nicht plötzlich unter einem einzelnen charakteristisch
hervortretenden Symptome abschliesst, sondern der Tod unter
allmählichem Erlöschen der Lebenskraft fast unmerklich eintritt.
Die mit einer absolut sehr hohen Ziffer auftretenden
»Entzündlichen Krankheiten der Brusthöhle« (Kl. 11)
und die wesentlich weniger in’s Gewicht fallenden »Chronischen
Entzündungen (Katarrhe) der L un gen Schleimhaut
und Emphysem« (Kl. 12) gewinnen im Ganzen relativ
stärkere Bedeutung in neuerer Zeit — wahrscheinlich weniger
in Folge des häufigeren Auftretens, als in Folge der richtigeren
Erkenntniss und Bezeichnung.
»Chronische Leberkrankheiten« (Kl. 15), «Aeussere
Schäden und Geschwüre« (Kl. 17) und »Lungenschlagfluss«
(Kl. 19) zeigen bei im Ganzen niedrigen Ziffern keine
charakteristische Gewichtsveränderung. Auch von den Fällen des
Todes in Folge von Lungenschlagfluss würden wohl manche
mit gleichem Rechte den Todesfällen an Altersschwäche beizuzählen
gewesen sein.
Die gemischte Klasse 20 (»SonstigeKrankheiten«) mit,
wie oben erwähnt, im Ganzen 3104 Fällen, verliert in den
letzten beiden Jahrzehnten wesentlich an Gewicht. Insoweit
sie nicht richtig erkannte und bezeichnete Todesursachen umfasst,
welche nur im Ganzen zu selten auftraten, um sie besonders
zu rubriciren (z. B. Milzkrankheiten, Blasenleiden,
Darmblutungen, Darmverschlingungen, Blutvergiftungen u. s. w.),
wird sie mit der fortschreitenden richtigen Erkenntniss und
Bezeichnung immer mehr an Gewicht verlieren. Es ist dies die
Klasse, an welcher man die wohl jeder Lebensversicherungs-Anstalt
oft entgegentretende Schwierigkeit, Krankheitsberichte,
welche den Ursprung und Verlauf der Todes-Krankheit eingehend
und wissenschaftlich bezeichnen, zu erhalten, am Deutlichsten
gewahrt. Es ist dies die Klasse, welche immer auf’s
Neue dazu mahnt, von den Hinterbliebenen verstorbener Versicherter
mehr zu verlangen, als nur die ärztliche Bescheinigung
des unter den und den Enderscheinungen eingetretenen Todes.
Die beiden folgenden Klassen (21. »Seibstentleibung«
und 22. »Verunglückung«) zeigen keine irgend bemerkenswerthen
Gewichtsveränderungen. In der einen sind im Ganzen 410,
in der anderen 302 Fälle verzeichnet. Möglich, dass die andere
Klasse manche Fälle enthält, welche der ersteren beizuzählen
gewesen wären; schwerlich aber sind in der Klasse 21 solche
enthalten, welche in Klasse 22 richtiger ihren Platz fänden.
Dass die Selbstentleibungsfälle, wenn sie auch im Ganzen eher
an Gewicht zu-, als abnehmen, doch nur eine sehr geringe
Gewichtszunahme zeigen, steht nicht im Einklänge mit den
allgemeinen Erfahrungen. Dieser Todesursache widmet die
Bank unausgesetzt grosse Aufmerksamkeit; die genauen, den
Gegenstand von allen Seiten beleuchtenden statistischen Aufzeichnungen,
welche für die Vergangenheit vorliegen und zukünftig
stets ergänzt werden sollen, umfassen nur zunächst
eine noch zu kleine Zahl von Fällen, um sie zu irgend maasgebenden
Schlüssen zu verwerthen, und werden deshalb besser
hier zunächst noch nicht mit veröffentlicht.
An dritter Stelle haben wir uns hier mit der Frage zu
beschäftigen, ob das vorliegende Material gewisse Beziehungen
zwischen den Durchschnitts-Sterbefallsummen und den Todesursachen
erkennen lasse, mit andern Worten, ob daraus hervorgehe,
dass gewisse Todesursachen besonders bei den Höher-,
gewisse andere besonders bei den Niedriger A ersieh erten wirksam
werden. Zu dem Ende muss zuvörderst aus Tab. XII für jedes
Jahrzehnt und für den ganzen Zeitraum die auf die Sterbefälle