50
Y. Tlieil. Statistik der Sterblichkeitsverhältnisse.
als der Besetzung der höheren Versicherungsjahre erweiset sich j
also unser Material reichhaltiger, seihst als dasjenige der 20
englischen Gesellschaften. Die stärkere Besetzung der höheren
Versicherungsjahre wird aus der folgenden Uebersicht noch deut
licher hervorgehen :
Es betrug
V. 11. Vers.-Jahre
an u. aufwärts
V. 21. Vers.-Jahre
an u. aufwärts
V. 31. Vers.-Jahre
anu. aufwärts
V. 41. Vers.-Jahre
anu. aufwärts
bei den 20 engl. Gesellsch.
(vom 15. Lebensj. an inch)
'lie Zahl der die Zahl der
Sterhefällo
I 663
282
Lebenden
unter Risieo
I3 2I4 466462,5
554g 128636,5
25 82;
3 129
bei Ctotba
die Zahl der
Sterhefällo
die Zahl der
Lebenden
unter Risieo
I4;83 433319
8 245 I59 546,5 I
3 168 41 117,5
529 4431,:
Die Zahlen der 20 englischen Gesellschaften sind hierbei
eigentlich noch etwas zu gross angegeben, indem dieselben, in ¡
Folge der besonderen Methode, welche bei jenen Anstalten zur
Berechnung der Versicherungsjahre in Anwendung kam, sich
nicht genau auf die oben angegebenen Versicherungsjahre be
ziehen, sondern itfi Durchschnitt überall um ein halbes Ver
sicherungsjahr zurückgreifen.
Das speciell auf die Frauen bezügliche Beobachtungs
material der Gothaer Bank ist seinem Umfange nach ein ver-
hältnissmäsig nur beschränktes; es umfasst im Ganzen nur
4759 Personen (Beigetretene), welche 57420 Jahre unter
Risieo standen und 1 539 Sterbefälle lieferten, und steht damit
gegen das entsprechende Material der 20 engl. Gesellschaften,
welches 16604 Eingetretene, 150361 Jahre unter Risieo und
3 335 Sterbefälle umfasst, bedeutend zurück. Die relativ ge
ringere Betheiligung der Frauen bei der Gothaer Bank gegen
über derjenigen, welche bei den englischen Anstalten stattfindet,
wird zum grössten Theile aus der Verschiedenheit der Stellung
der Frauen in den beiden Beobachtungsgebieten zu erklären,
theilweise vielleicht auch darauf zurückzuführen sein, dass die
Gothaer Bank Versicherungen von Frauen gegenüber eine ge
wisse Reserve beobachtet, solche Versicherungen jedenfalls
nicht eben gesucht hat. Würden bei einer Gegenüberstellung,
wie der obigen, welche Männer und Frauen umfasst, die Frauen
ausser Betracht bleiben, so würde sich die Besetzung der
höheren Altersklassen relativ für Gotha noch etwas günstiger
stellen, als es in dem obigen Tableau der Fall ist.
Die Tabellen der gegenwärtigen Abtheilung haben haupt
sächlich den Zweck einer genauen Sterblichkeitsermittelung
nach Alter, Geschlecht und Versicherungsdauer; ausserdem
gewähren sie aber noch die Grundlage für eine Reihe anderer
Untersuchungen, die in den folgenden Kapiteln eingehender
besprochen sind.
Gleich bei der ersten Einrichtung der Zählkarten wurde
Bedacht darauf genommen, dass es wichtig sei, Material zu
gewinnen zu Untersuchungen über den Einfluss der öco-
nomischen Lebenslage auf die Sterblichkeit.
Auch mit um deswillen wurde, wie schon aus den früheren
Theilen dieses Werkes bekannt ist, auf den Zählkarten der
Beruf und die Versicherungs-Summe der Versicherten notirt ;
denn dies sind die einzigen bei Gelegenheit des Versicherungs-
Abschlusses festzustellenden Momente, welche allenfalls einen
Schluss auf die wirtschaftliche Lage zulassen. Den Versuch
aber, behufs der Ermittelung jenes Einflusses von den Berufs
arten auszugehen, musste man aufgeben ; denn die hier mit
Rücksicht auf mehrseitige statistische Verwertbarkeit gewählte
Klassification ergab nicht Klassen, welche sich hingesehen auf
die Lebenshaltung von einander deutlich und bestimmt unter
scheiden; eine diesem Zwecke ausreichend dienende Klassi
fication aber hätte für die meisten Klassen nur so kleine Zahlen
ergeben, dass man damit nicht hätte operiren können.
Deshalb entschloss man sich, zu dem fraglichen Zwecke
eine Klassification nach den Versicherungs-Summen zu
benutzen. Hier traten zwar zwei Bedenken entgegen. Erstens
ist ja die Versicherungs-Summe, welche ein Versicherter wählt,
keineswegs immer characteristisch für seine Vermögenslage
und seine gesammte wirlhschaftliche Situation. Und dann ist
es klar, dass bei einer solchen Klassification die Sterblichkeit
der niedrigen Summenklassen gegenüber derjenigen der höheren
etwas ungünstiger erscheinen muss, als sie es wirklich ist, da
in Folge der häufig vorkommenden Nachversicherungen allmählig
ein Tlieil der diesen Klassen angehörenden Personen in die
höheren übertreten (um von da ab in den höheren als Lebende
unter Risieo gezählt zu werden), diese letzteren Personen aber
durchgehends solche sind, welche die mit der Nachversicherung
verknüpfte neue ärztliche Untersuchung zu passiren im Stande
waren, welche also im Durchschnitt bessere Risicen darbieten
mussten, als die in der Klasse zurückbleibenden.
Beide Bedenken waren nicht von so bedeutendem Gewicht,
dass man um ihretwillen die Untersuchung hätte aufgeben
müssen. Unter Tausenden, welche mit je 3000 Ji. versichert
waren, werden sich offenbar Manche in besserer öconomischer
Lage befunden haben, wie Manche unter den Tausenden, welche
mit 6000, IOOOO u. s. w. versichert waren. Aber die über
wiegende Mehrzahl der mit 3000 JÍ Versicherten wird doch
in minder günstiger Lage gewesen sein, als die überwiegende
Mehrzahl der mit höheren Summen Betheiligten. Und, was
das zweite Bedenken anbetrifft, so ist zu berücksichtigen, dass
der Einfluss der ärztlichen Auswahl auf die Sterblichkeit sich
hauptsächlich in den ersten Jahren nach Abschluss der Ver
sicherung geltend macht, ja, dass derselbe nach Verlauf einer
gewissen Anzahl von Jahren, etwa nach 10 Jahren, practisch
genommen, so gut wie ganz verschwindet, so dass man bei
zweckmäsiger Ausscheidung der Beobachtungen der jüngeren
Versicherungsjahre durchaus vergleichbare Resultate erhalten wird.
Von diesen Erwägungen ausgehend, klassificirte man das gesammte
auf die Männer bezügliche Material — das auf die Frauen
bezügliche eignete sich aus naheliegenden Gründen nicht zu
einer Untersuchung der hier in Rede stehenden Art — so,
dass drei Summenklassen entstanden, von denen die erste die
Versicherten mit unter 3000, die zweite die Versicherten mit
3000 — 6000, und die dritte die Versicherten mit über 6000 JL
enthält. Diejenigen Versicherten, welche während der ganzen
Dauer ihrer Mitgliedschaft mit derselben Summe, oder mit
Summen versichert waren, welche sich innerhalb der Grenzen
einer und derselben Summenklasse bewegten, konnten hierbei
für die ganze Dauer dieser Klasse zugezählt werden, diejenigen
dagegen, welche in Folge von Nachversicherungen und Ab=
gängen von einer Summenklasse in die andere gelangt waren,
mussten für die resp. Versicherungsjahre auch diesen
verschiedenen Summenklassen zugezählt werden, wobei übrigens
solche theilweise Abgänge und Reductionen in der Versiche
rungssumme, welche nicht von gleichzeitigen oder späteren
Nachversicherungen, die einen Klassen Wechsel bedingten, be
gleitet waren, unberücksichtigt gelassen oder mit anderen
Worten stets nur diejenigen Veränderungen in der wirklichen
Versicherungssumme in Betracht gezogen wurden, welche einen
Uebergang in eine höhere Klasse herbeiführten. *)
*) Dieses Verfahren ist vom technischen Standpunct aus offenbar
durchaus zulässig, sobald, wie dies-hier geschah, die Lebenden und Ge-