Möbels um so mehr zurücktritt, je besser und ausgereifter die
betreffenden Stücke sind. Die Beeinflussung durch. Deutschland
und Osterreich ist deutlich zu spüren. Diese Beeinflussung wird
von den Franzosen selbst zugegeben, wenn sie auch mit aus—
gesprochener Absichtlichkeit die historische Entwicklung so darstellert,
daß bei der Schaffung des modernen Stils der deutsche Anteil
hinter den von Belgien und England möglichst zurücktritt. Sie
geben aber zu, — das ist in einem sehr lesenswerten Artikel eines
Sonderheftes der „Illustration“ ausdrücklich zu lesen — daß die
Ausstellung des „Münchener Bundes“ im Salon d'Automne
1910 den modernen französischen kunstgewerblichen Stil für eine
Zeit lang geradezu gefährlich beeinflußt habe. Freilich sei mit
dem Ausbruch des Krieges die Beeinflussung mit einem Schlage
zu Ende gewesen, Frankreich habe seine Selbständigkeit wieder
gewonnen, und „heute sei es nahe dem Triumph“. (seiterkeit.)
Meine Damen und Herren, die Sache ist nicht so einfach. Ich
will nicht behaupten, daß das französische Kunstgewerbe vor
einem neuen Triumph steht in dem Sinne, daß Frankreich wieder
die Vorherrschaft erringen werde, wie sie es zur Zeit der fran—
zösischen Könige gehabt hat. Es wird niemals mehr ein Kunst—
gewerbe geben, dessen Form so einseitig französisch orientiert ist,
aber das französische Möbel wird, davon bin ich überzeugt, in
etwa fünf bis zehn Jahren zu einer durchaus modernen Form
von organischer Vollendung gekommen sein. Heute ist es noch
nicht so weit, die Einflüsse, überhaupt die neue Einstellung zu
Möbel und Raumgestaltung sind noch nicht ganz organisch ver—
arbeitet. Man findet noch viel äußerlich angeklebte Schmuck
formen, und es fehlt meistens die letzte Einheit. Aber der Weg
nach diesem Ziele ist beschritten.
Man hat bei uns oft gesagt, daß dem heutigen Frankreich die
Erfindungskraft fehlt. Selbst wenn das richtig sein sollte, wäre
damit noch nicht das Urteil über das moderne französische Kunst—
gewerbe gesprochen. Denn hierbei kommt es viel weniger auf
Erfindungskraft an als auf Feinheit der Empfindung für Pro—
portionen, Linienführung und Materialbehandlung, mit einem
Worte auf Geschmack und lebendiges Gefühl. Und gerade dies
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