y. Tlieil. Statistik der Sterblichkeit«Verhältnisse.
61
III. Kapitel.
Die Sterblichkeit der Männer.
Die Sterblichkeit versicherter Männer kann von der Sterb
lichkeit Versicherter überhaupt nur wenig abweichen, da die
Mitglieder der Lebensversicherungs-Anstalten zum überwiegenden
Tlieile aus Männern bestehen und in der allgemeinen Sterb
lichkeit versicherter Leben sich also grösstentheils nur die
Männersterblichkeit abspiegelt. Die nachfolgenden kurzen Ueber-
sichten, welche den Tabellen 2 und 3 des vorigen Kapitels in
der Einrichtung genau entsprechen, werden deshalb auch nur
insofern zu Bemerkungen Anlass bieten, als theilweise die
Resultate neuer Beobachtungssphären zum Vergleich heran
gezogen sind.
Tabelle 1.
Sterblichkeit der Männer.
Alters
klasse
ilSil
Sterblichkeit« - Procentsätze
20 ensfl. Ge
sellschaften
II
211
Anzahl der
Sterbofälle, auf
Grund deren die
Sterhlichkeits-
Procentsät/.o
berechnet sind
für
Gotha
für die
ao envi.
Gesell
schaften
15—20
21—25
26—30
SI-35
36—40
4I—45
46 -50
SI-55
56—60
61—65
66—70
71—75
76—80
81—85
86—90
91—95
18.7
23.9
28.5
33.2
38,:
43.0
48.0
52.9
57-9
62.9
67.8
72,7
77.6
82,4
87.2
92.0
0,42
0,61
0,58
0,66
0,82
1,01
1,36
1,89
2,76
4.II
6,35
9,19
I3.32
I 9 ,60
29.I3
40,00
0,54
0,67
0,73
0,84
0,98
1.12
1,44
1,86
2,56
3,"
5,29
8,07
12,04
17,68
23,35
37,io
0,50
0,64
0,75
0,82
0,93
1,12
1,44
1,86
2.55
3,72
5,29
8.14
I 1.92
I8.05
22,77
40,28
0,66
0,71
0,86
1,10
1,35
1,74
2,24
3,io
4,58
6,52
9-94
13,12
l8,84
33"
66,46
0,71
0,90
0,96
1 ,07
1 ,36
1,64
2,05
2,56
3,51
4-66
6,95
9,67
14,88
1 8,7 6
26,93
25,37
0,7 4
0,90
0,98
1,08
1,23
1,44
1,7 4
2,22
2,88
3,8%
5.68
8,32
I 1,99
l6,73
22,52
29,40
3
44
237
647
i 153
1 582
2 008
2417
2 761
2 843
2 672
i 953
i 104
459
104
12
55
283
813
I 344
1 854
2 032
2 256
2304
2313
2 259
i 920
I 548
940
442
"5
29
Sämmtl. j
Alter
19999 20507
Tabelle 2.
Mittlere Lebensdauer der Männer.
Alter
Gotha
Männer
20 engl.
Gesellschaften
Männer
unausgegl.
Brune
Männer
Preussen
Männer
Engl. (Karr)
Männer
25
30
35
40
45
50
55
60
65
70
75
80
85
42,25
38,70
34.67
30,77
26.88
23,06
19,43
16,01
12.88
10,09
7,81
5,84
4,17
2,96
42,09
38,44
34,68
31,03
27,42
23,78
20,30
16,93
13,80
I 1,01
8,54
6,42
4,71
3,51
36,49
32,69
28,94
25,35
21,89
18.57
15.58
I 2,43
9,85
7,58
5.81
4,29
2,62
37.94
34-55
SI'«?
27,57
24,22
21,01
17,81
14.94
12,18
9-64
7,50
5,83
4,40
3-31
39,48
36,12
32.78
29,40
26,06
22,76
19,54
l6,45
I3.53
10,82
8,45
6,49
4,93
3,73
Was bei einer Betrachtung der vorstehenden Tabellen am
meisten auffallen dürfte, ist das günstige Verhältnis, in welchem
in allen Altersklassen mit Ausnahme von je zweien 76 — 80
und 81 —85 in der ersten und 80 und 85 in der zweiten
Tabelle die Sterblichkeit der Gothaer Bank zu der Sterb
lichkeit der preussischen Wittwenverpflegungsanstalt steht.
Dieses günstige Verhältnis für Gotha ist um so bemerkens-
werlher, als die Beobachtungen der Wittwenverpflegungsanstalt
sich fast ausschliesslich auf Beamte beziehen — die Anstalt
war zwar bis 1832 auch dem übrigen Publicum geöffnet, ist
aber von diesem nie stark benutzt worden —, also gerade
auf diejenigen Bevölkerungsklassen, aus denen zum grossen
Tb eil (vcrgl. Tlieil I, Kap. VII oben) auch die Gothaer Bank
ihre Mitglieder empfängt. Die Erklärung der Sterblichkeits-
differenzen der beiden Beobachtungsreihen wird einesteils
darin zu suchen sein, dass bei der Gothaer Bank eine ärzt
liche Untersuchung und ohne Zweifel auch sonst eine schärfere
Prüfung der Annehmbarkeit stattfindet, als bei der preussischen
Wittwenverpflegungsanstalt, wo die Aufnahme wohl lediglich
an die Beibringung eines einfachen Gesundheitsattestes geknüpft
ist — anderntheils und hauptsächlich aber darin, dass die
Erfahrungen der Wittwenverpflegungsanstalt sich auf einen
anderen Zeitraum beziehen als die der Gothaer Bank, dass
dieselben bis in das vorige Jahrhundert (bis 1776) zurück
reichen, also in eine Zeit, wo aller Wahrscheinlichkeit nach
die Sterblichkeit in Deutschland noch allgemein eine höhere
gewesen ist. Dafür, dass die Sterblichkeit innerhalb grösserer
Zeiträume sich auf demselben Beobachtungsgebiete nicht un
wesentlich verändern kann, bieten nicht nur manche andere
Beobachtungen, sondern sogar die Erfahrungen der Gothaer
Bank selbst einen Beleg, wie aus einem späteren Kapitel hervor
gehen wird.
Die Tafel von Farr zeigt gegenüber den Gothaer Zahlen
einen ähnlichen Verlauf wie die englischen Gesellschaftslisten —
nur dass der Wendepunkt zu Gunsten der englischen Sterb
lichkeit hier erst nach dem 60. Lebensjahre (in Tabelle 2 nach
dem 45. Lebensjahre) eintritt — ein Ergebniss, welches gegen
über den Bemerkungen in dem vorhergehenden Kapitel nicht
überraschen kann. Die Tafel für Preussen (Zeitschrift des
K. pr. Stat. Bur. 1879. 1 und II), welche aus den Erfahrungen
der Jahre 1867, 68, 72, 75 — 77 hervorgegangen ist, giebt —
wie hier beiläufig bemerkt sein mag — bis zu der Alters
klasse 61—65 (resp. Alter 55 für die mittlere Lebensdauer)
eine höhere Sterblichkeit, als Heyrn und hat, abgesehen von
den höchsten Altern, überall eine weit höhere Sterblichkeit,
als Gotha.
IV. Kapitel.
Die Sterblichkeit der Frauen.
Die Resultate der allgemeinen biologischen Statistik, welche
den Frauen fast für alle Altersklassen über 20 eine günstigere
Sterblichkeit, als den Männern, zuweist, hatten bis zu der Zeit,
wo mit der Sterblichkeits-Ermittelung der siebzehn englischen
Gesellschaften zum ersten Male ein cinigermaasen brauchbares
Material für die gesonderte Beobachtung der Sterblichkeit ver
sicherter Frauen beschafft wurde, fast allgemein die Ansicht
auf kommen lassen, dass auch unter Versicherten die Frauen
eine geringere Sterblichkeit aufweisen würden, als die Männer,
so dass sogar mehrere, hauptsächlich englische, Anstalten
Veranlassung nahmen, besondere billigere tarife für Frauen
versicherungen einzuführen. Um so grösser war die Ueber-
raschung, als die Resultate jener Untersuchung bekannt wurden
(1841) und aus dem zwar sehr dürftigen Material — die
gesonderte Untersuchung der Frauensterbliehkeit war von vorn-