76
Y. Tlieil. Statistik der SterblichkeitsVerhältnisse.
Lebenden unter Risico in den Grundtafeln vorhanden sein
können, in horizontaler Linie stets dasselbe — gestiegen ist.
Diese Steigerung setzt sich auch in den Jahren 6 — io fort,
denn die Zahlen der Gol um ne I — IO, sind in beiden Tabellen
durchgängig höher als die der Columne i — 5, wobei noch
zu berücksichtigen ist, dass die Columne 1 — IO auch die
Beobachtungen für 1 — 5 enthält, die Beobachtungen für 6— IO
allein also die von 1 — 5 in noch höherem Grad übersteigen
würden.
Die auffälligste Depression in der Sterblichkeit findet naturgernäs
in dem 1. Versicherungsjahre statt. Beispielsweise beträgt
in Tabelle 2 der Durchschnitt der Procentsätze von 31 —35
und 36 — 40 des 1. Versicherungsjahres nur 51% vom entsprechenden
Durchschnitt der Jahre 11 und aufwärts, und für
die Jahre 41 — 50 und 51 — 60 stellt sich das betreffende
Verhältnis auf resp. 61 und 64%. Ein ähnlicher Vergleich
lässt sich für die Erfahrungen der 20 englischen Gesellschaften
wegen der abweichenden Berechnungsweise des Versicherungsjahres
leider nicht anstellen; dagegen gestatten einige von
Sprague vorgenommene Reductionsrechnungen wenigstens, das
absolute Sterblichkeitsmaas des ersten vollen Versicherungsjahres
nach diesen Beobachtungen anzugeben. (Vergl. Journal
of the Institute, Vol. XX, pag. 237.) Die bezüglichen Zahlen
sollen hier mitgetheilt und mit den entsprechenden, schon in
der Tab. 2 für Gotha enthaltenen verglichen werden.
Tabelle 3.
Es betrug der Sterblichkeitsprocentsatz der Männer
im ersten Versicherungsjahre
im Alter
von
25
30
35
40
45
50
55
60
nach den Erfahrungen
der 20 engl. Gesellsch.
0,38
0,44
0,52
0,5 0
0,69
0,73
1,28
1,67
in der nach den Erfahrungen
Altersklasse
26—30
31—35
36—4O
41—45
46 — 50
SI-55
36 — 60
von Gotha.
0,33
0,54
0,5 3
0,73
0,90
1,03
2,05
Die Alter der beiden Beobachtungen stimmen nicht genau
überein, berücksichtigt man aber, dass unter der Voraussetzung
eines regelmäsigen Verlaufes der Sterblichkeit in den zwischenliegenden
Altern, die nächstliegenden englischen Zahlen stets
die Grenzen angeben, innerhalb deren das genaue, der Gothaer
Altersklasse entsprechende, Resultat fallen würde, so kann man
mit Hülfe der kleinen Tabelle doch immer einen ungefähren
Ueberblick über die beiderseitigen Verhältnisse gewinnen. Man
wird hierbei finden, dass die Resultate der beiden Beobachtungsgebiete
ziemlich gut mit einander harmoniren, dass aber in
den höheren Altersklassen im Ganzen genommen die englischen
Zahlen ein wenig günstiger sind. Diese Differenz zu Gunsten
der englischen Beobachtungen hängt vielleicht mit der in den
höheren Altersklassen überhaupt günstigeren englischen Sterblichkeit
zusammen, kann aber auch ein bloses Spiel des Zufalls
sein, da die Beobachtungszahlen für das erste Versicherungsjahr
auf beiden Seiten keineswegs bedeutend sind.
Vergleicht man in den Tabellen 1 und 2 die Procentsätze
der Spalte »Im Ganzen« mit den entsprechenden der Spalte
»6 und aufwärts« und die letzteren wiederum mit den Procentsätzen
der Spalte »11 und aufwärts«, so wird man finden,
dass diese Zahlenreihen in den mittleren und höheren Altersklassen
— etwa von 41 ab — bedeutend weniger differiren, als die
Spalten 1 und 1 bis 5 und die Spalten 1 bis 5 und 1 bis 10.
zugleich aber auch bemerken, dass — ebenfalls in den mittleren
und höheren Altersklassen — die Differenzen zwischen
den Spalten »6 und aufwärts« und »11 und aufwärts« geringer
sind, als die zugehörigen zwischen den Spalten »Im
Ganzen« und »6 und aufwärts «, d. h. mit anderen Worten,
dass mit der Ausschliessung des zweiten Quinquenniums die
Resultate sich weniger verändert haben, als mit dem Ausschluss
des ersten. Das erste Ergebniss hat einfach darin seinen
Grund, dass die Klassen »Im Ganzen«, »6 und aufwärts« und
»II und aufwärts« theilweise dieselben Beobachtungen umfassen
und dass diese Beobachtungen gegenüber den anderen, auf
die früheren Jahre bezüglichen, ziemlich stark in's Gewicht
fallen; das zweite Ergebniss dagegen ist darauf zurückzuführen,
dass die Differenzen mit den Versicherungsjahren überhaupt
abnehmen. Wie später gezeigt werden soll, ist dies mit geringen
Ausnahmen auch in den höheren Versicherungsjahren
der Fall, und man darf deshalb, vom rein practischen Standpunkte
aus, die für die mittleren und höheren Altersklassen
in »ii und aufwärts« gegebenen Resultate schon so ziemlich
als die nach Erschöpfung der » Selection « herrschende Sterblichkeit
ansehen. In England hat man — obgleich die Sterblichkeit
der englischen Versicherten sich, wie ebenfalls später
gezeigt werden soll, nach dem 10. Versicherungsjahre noch
variabler stellt, als die der Gothaer — bei den meisten technischen
Rechnungen, in welchen die Versicherungsdauer zu
berücksichtigen war, sich allerdings damit begnügt, die ersten
5 Jahre auszuschliessen, wohl hauptsächlich aus dem Grunde,
weil mit der Ausschliessung weiterer Versicherungsjahre das
Material an Umfang bedeutend verloren haben würde.
Ueber die Sterblichkeit der Versicherten der verschiedenen
Summenklassen innerhalb der ersten IO Jahre und für den
Rest der Versicherungsdauer giebt die folgende Uebersicht
Auskunft. Dieselbe ist auf Grund der Tabellen XXXI bis
XXXIII berechnet.
(»Siehe Seite 77.)
Die Procentsätze der einzelnen Summenklassen zeigen,
wie man sieht, eine ganz ähnliche Steigerung mit der Versicherungsdauer
wie die der Gesammtheit, nur dass die Differenzen
(in horizontaler Richtung) hier etwas schwankender
sind, was offenbar eine Folge der weiteren Spaltung der Beobachtungszahlen
ist. Vergleicht man die auf die ersten fünf
Jahre bezüglichen Procentsätze der drei Summenklassen mit
einander, so ergiebt sich, dass, abgesehen von einer kleinen
Schwankung in der Altersklasse 46 bis 50, die höchste Summenklasse
hier nicht blos für die Altersklassen bis 55, sondern
auch über diese hinaus bis zu den höchst vorkommenden die
günstigste ist. Dieses an sich schon interessante Ergebniss
scheint darauf hinzu weisen, dass die ärztliche Untersuchung
bei den höchsten Versicherungen in der That eine etwas erfolgreichere
gewesen ist, als bei den niederen und mittleren
und dass also unter den Ursachen, welche unabhängig von
der wirthschaftlichen Lage die Sterblichkeit nach Summenklassen
beeinflusst haben (vergl. Kapitel VII), der verschiedenartigen
Auswahl das stärkere Gewicht beizulegen ist. Die sonst
in Betracht kommende Ursache, der Summenübergang, kann
nämlich, wenn, wie dies hier der Fall ist, die Versicherungsdauer
in den einzelnen Summenklassen stets vom Zeitpunkt
des Beitritts zu denselben oder des Uebergangs, gerechnet
wird, die Resultate kleinerer Versicherungsperioden nur insofern
beeinflussen, als der Abgang der guten Risicen die Sterblichkeit
der niedrigsten Summenklasse etwas erhöhen wird, verliert also
für die ersten Versicherungsjahre, wo der Bestand einer jeden
Summenklasse fast ausschliesslich aus neu versicherten Personen
besteht, jegliches Gewicht.