fullscreen : Der Weltverkehr und seine Mittel

Ausbildung  ber  Fahrbahn.

141

Oberbau.
.Eisenbahnen  sind  Spnrbahnen.  Verschiedentlich  findet  man  in  der  Litteratur  ihre
Anfänge  zurückverfolgt  bis  in  die  graue  Vorzeit,  als  die  Ägypter  ihre  Pyramiden,  die
Inder  ihre  Riesentempel  bauten  und  die  alten  Griechen  ihre  Opferfeste  und  nationalen
Volksspiele  feierten.  Bei  jenen  Völkern  sehen  wir  allerdings  schon  Spurwege,  d.  h.  durch
Plattenreihen  gebildete  Fahrbahnen  oder  in  Stein  gearbeitete  Rillen,  auf  bezw.  in  denen
am  Nil  Lastfuhrwerke,  im  Hellas  Fest-  und  Opferwagen  sich  bewegten.  Die  in  den  felsigen
Berghängen  Griechenlands  erhaltenen  Spurwege  zeigen  in  der  Umgebung  von  Delphi,
Eleusis  u.  s.  w.  eine  Tiefe  von  5  bis  7  am;  sie  sind  an  verschiedenen  Stellen  sogar  mit
regelrechten  Ausweichrillen  versehen.  Dieses  scheint  auf  eine  künstliche  Herstellung  hinzudeuten, ­
  wenngleich  es  noch
wahrscheinlicher  sein  wird,  daß
alle  diese  Rillen  durch  natürliche ­
  Abnutzung  hervorgerufen
wurden.  Auch  in  unserer  Zeit
sehen  wir  derartige  Rillenbildungen ­
  vor  sich  gehen.  So
zeigte  beispielsweise  eine  verkehrsreiche ­
  Londoner  Straße,
welche  mit  Granitplatten  belegt
worden  war,  schon  nach  drei
Jahren  die  Rillenspur.  Die
Wegeanlagen  der  Alten  gerieten
mit  dem  Verfall  jener  Völker
in  Vergessenheit  und  können
daher  nicht  als  die  Vorläufer
der  späteren  eisernen  Spurbahnen ­
  angesehen  werden.  Als
solche  könnten  eher  schon  die  im
Mittelalter  in  den  deutschen
Bergwerken,  im  Elsaß,  Harz,
in  Sachsen  und  anderen  Orten
benutzten  Holzgleise  betrachtet
werden,  wie  dies  auch  zahlreiche
Schriftsteller  thun.  Derartige  100  golibaljn  in  einem  deutschen  KerswerKe  des  18.  Jahrhunderts.
Holzbahnen  bestanden  aus  zwei  Aus  der  Cosmographey  von  Sebastian  Màster,  isso.
Längsbalken,  die  in  gleichem
Abstande  voneinander  auf  Querhölzern  befestigt  und  an  manchen  Orten  zur  Schonung  des
Holzes  entweder  in  ganzer  Länge  oder  nur  in  den  Krümmungen  mit  Eisenstreifen  beschlagen
waren.  Auf  ihnen  wurden  die  kleinen  Erz-  undKohlenwagen,  Hunde  genannt,  durch  Menschenkraft ­
  geschoben  (Abb.  100).  Außer  Sebastian  Münster  überliefert  unsdie  allgemeine  Anordnung
dieser  Bahnen  unter  Beifügung  von  Abbildungen  das  „Bergwerksbuch"  von  Ettonhardi
(1556),  sowie  das  von  Agricola  (Chemnitz  1557).  Hier  ist  von  einem  Reibuagel  die  Rede,
durch  den  die  Wagen  in  den  dunklen  Stollen  und  Gängen  der  Berge  sicher  geführt  wurden.
Eine  der  ursprünglichsten  Gleisarten  —  hölzerne  Laufbahn  ohne  jegliches  Eisen  —
steht  noch  heute  in  der  Apostelgrube  Brad-Siebenbürgen  in  Benutzung.  Rundstämme
bilden  die  Schienen,  auf  denen  plumpe  „Hunde"  laufen,  deren  kleine,  aber  breite  Räder
(richtiger  Rollen)  zwecks  Spurhaltens  in  der  Mitte  ausgekehlt  sind.  Die  Weichen  besitzen
nur  eine  Zunge  (um  einen  Endpunkt  drehbares  Rundholz),  sind  also  von  denkbar  einfachster ­
  Bauart.  Die  Bewegung  der  Hunde  erfordert  wegen  der  starken  Reibung  und
der  kleinen  Laufrollen  große  Kraftanstrengung.  Das  Osnabrücker  Gleismnseum  besitzt
eine  derartige  alte,  aus  Ungarn  stammende  Weiche  mit  Karren.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.