Full text: Das Finanzsystem des deutschen Reiches in politischer und wirtschaftlicher Beziehung

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gau5 heilfam für einige (Eingelftaaten mit mißlicher ginangtage, 
anbererfeits aber gar nicht unbebingt nötig märe. 
Die beseitige Reichstagsmajorität unb bie Rfehrgahl ber oer= 
bünbeten Regierungen fteljen jebod) auf bem, wie uns fdjeint wenig 
glüdlicben, Stanbpunft, bafj bie gntereffen ber (Eingelftaaten, ober 
bas, mas fie fälfd)lid) bafür galten, gehont werben müßten, unb 
fo ift es unabmeislid), bieder grage eine ausführlichere Reljanblung 
gu wibmen, bie freilidf) untrennbar ift non ihrer fdfon angebeuteten 
praftifch=finangpolitifd)en Seite, bie non bem (Einwanb ausgeht, bah 
ein 3ugriff bes Reichs auf bie birelten Steuern bie (Eingelftaaten ent= 
weber ber fdjon je^t notwenbigen unb unentbehrlichen (Einfünfte 
gum Xeil berauben, ober bodj bie lebten Referoen für eine üinftig 
erforberlidje Steigerung ihrer Reoenüen ihnen entgiehen würbe. 
(Es liegt auf ber £janb, bah man biefem (Einwanb nicht ohne 
weiteres jebe ^Berechtigung abfpred^en lann, ben es h^nbelt fich 
hier um Dinge, bie weit erheblicher finb, als bie theoretifdfe Re= 
ber ei über bie ginangljoheit ber (Eingelftaaten, bie ihnen ja auch 
fein Rtenfd) nehmen will — ¡ebenfalls nidE)t de jure, was ja in 
biefem galle wohl bie ^auptfadje ift. 
Der Reidjsgebanfe h&t gwar aud) in ben Greifen ber beutfdjen 
Runbesfürften unb ihrer Regierungen feit 1871 unleugbare gort= 
fdjritte gemacht. 2Bir haben ein einheitliches Reichsgericht, ein ßioib, 
Strafe unb ^rogehrecht, ein giemlich einheitliches Rtilitärgerid)tsmefen, 
aber wie wir fd)on öfters fonftatiert hüben, ift ber ^artifularis= 
mus bod) noch lange nidjt tot. 2Bir erfreuen uns, banf feiner 
3ählebigfeit, neben nielen anberen Rubimenten aus ber jd)led)ten 
alten 3 C ^ ouch nod) einer fo gerrifjenen Steuergefetjgcbung, bie 
nach Í 0 fielen oerfdjiebenen ©efidjtspunften geregelt wirb, bah man 
wirîlid) nur begrüben formte, wenn Reichstag unb SBunbesrat 
bamit nod) grünblid)er aufräumen würben, als mit ber ^artifw 
Iargefehgebung auf bem ©ebiet bes 3iml unb Strafredjts. 
¿in Rlid auf bie oergIeid)enbe(EinfommenfteuertabeIíe Seite 121 
geigt mit aller Deutlic^feit biefe Rerfdjiebenheiten. 2Bäre es benn 
wirflidj etwas fo friedliches, wenn ein Rei^sfleuergefeh beftimmen 
würbe, bah bk (Eingelftaaten ihren ginangbebarf aufgubringen 
hätten burd) progentualen Ruffdjlag auf bie bireften Reirsfteuern,
	        
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