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Und bedenken Sie, Sophie, diese Lage hatte schon fast
zwanzig Jahre lang gedauert, denn der Graf hatte die
Gräfin geheiratet als Mädchen von fünfzehn Jahren
und sie gequält vom ersten Tage ihrer Verheiratung an.
Ganz zufällig war ich zugegen, als der Graf zu Anfang
1846 sich neuer Untaten gegen seine Frau schuldig machte.
Im Winter 1845 hatte man eine neue Versöhnung
zwischen ihnen zustandegebracht, wie imnier aber von
seiner Seite nur äußerlich. Im April 1846 sollten sie
wieder zusammenkommen. Anstatt dies zu tun, schrieb
der Graf kurz vorher an den zweiten Sohn der Gräfin,
Paul, den sie anbetete und der sie zärtlich liebte, das
einzige Kind, das der Graf ihr nicht hatte entteißcn oder
abwendig machen können — der Graf, sage ich, schrieb
insgeheim diesem vierzehnjährigen Sohne, daß er ihn
enterben würde, wenn er der Mutter nicht heimlicherweise
entfliehe. Paul brachte diesen Brief seiner Mutter; ich
traf sie von Tränen und Kummer niedergebeugt an und
erfuhr nach und nach ihre ganze Geschichte.
Können Sie, Sophie, sich wohl einen richtigen Begriff
von dem Eindruck machen, den diese Geschichte in mir,
eitlem eifrigen Revolutionär, hervorrief, als ich sie an
gehört hatte, als mir die Gräfin die unumstößlichen
Beweise der Tatsachen in der Korrespondenz mit ihren
Verwandten und anderen Papieren gegeben hatte?
Ich sah vor mir, in der Person eines einzelnen in
dividuellen Lebens, die Verkörperung aller empörenden
Ungerechtigkeiten der veralteten Welt, die Verkörperung
aller Mißbräuche der Macht, der Gewalt und des Reich
tums, gerichtet gegen den Schwachen, allen Druck
unserer sozialen Ordnung.