Diese beiden Zusammenschlüsse, welche die bedeu-
tendsten Unternehmungen, wie z. B. die Gesellschaft Melen-
kower Manufaktur, Tretjakoff und Konschin und andere,
vereinigen, besitzen etwa 53% der Spindeln und Webstühle,
über die die gesamte staatliche Leinenindustrie verfügt.
Sie erzeugen etwa die Hälfte der gesamten Leinengarne und
.gewebe.
So stellt sich in kurzen Zügen die gegenwärtige Organi-
sation der sowjetrussischen Textilindustrie dar. — Man
muss zugeben, dass diese Organisation in mancher Hin-
sicht die Wiederherstellung und Entwicklung der Textil-
industrie erleichtern kann. Das trifft hauptsächlich auf die
Fragen der Versorgung der Unternehmungen mit Rohstoffen,
Brennmaterial und anderen Materialien zu, und besonders
auf die Frage der Erlangung von Krediten, welche letzteren
den vereinigten Unternehmungen, unter der . Voraussetzung
ihrer Lebensfähigkeit, stets eher zugänglich sind als ein-
zelnen. von ihnen. Die Organisation an und für sich jedoch
leidet durch die Methode der Leitung der Unternehmungen
an einem dem ganzen Sowjetregime eigenen Defekt —
Bürokratismus. Infolge dieses Fehlers bildet die bis jetzt
nicht ganz geregelte Frage hinsichtlich der Wechselbeziehun-
gen zwischen den Verwaltungen der Truste und den Ver-
waltungen der Fabriken eines der ernstesten Probleme der
sowjetrussischen Industrie. Die angestrebte Ausweitung der
Produktion der Textilindustrie stösst zurzeit auf derartige
Schwierigkeiten, dass mit einer Verwirklichung dieser Idee
in absehbarer Zeit kaum zu rechnen ist. ;
Ohne auf die Besonderheiten des Sowjetregimes und; die
Arbeitergesetzgebung näher einzugehen, die jetzt nicht selten
selbst von den Sowjetprominenten als erschwerend für die
normale Entwicklung des Wirtschaftslebens bezeichnet wer-
den, und ohne jene Hindernisse erschöpfend zu untersuchen,
die sich der Erweiterung der Textilindustrie entgegenstellen,
wollen wir nur auf zwei besonders wichtige Umstände hin-
weisen. Das ist die. ausserordentliche Ab-
nutzung der Fabrikausrüstungen und der
Mangelan technischem Personal und quali-
fizierten Arbeitern. Die tiefgehende Reformbedürf-
tigkeit der Fabrikanlagen macht jede Produktionssteigerung:
fast zur Unmöglichkeit, selbst bei intensivster Ausnützung:
derselben durch Einführung von zwei und drei Schichten.
Daher sieht das Wirtschaftsprogramm der Sowjetregierung,
das infolge der wachsenden wirtschaftlichen und finan-