Full text : L' Industrie cotonnière en Allemagne

und  ihnen  Kredite  erteilt  haben.  Endlich  ist  es  eine  bekannte
Tatsache,  daß  die  inländischen  Anlagen  in  deutschen  und
amerikanischen  Industrieaktien  zugenommen  haben.  Andrerseits
haben  wir  beträchtliche  neue  Schulden  —  im  letzten  Jahre  mehr
als  200  Millionen  —  im  Auslande  kontrahiert.  Keinesfalls  aber
kann  die  Zunahme  der  Geldsendungen  der  Auswanderer  und  die
etwaige  Verringerung  unserer  Schuldzinsen  auch  nur  annähernd
die  Verschlechterung  ausgleichen,  welche  die  Handelsbilanz  erfahren ­
  hat.  An  Stelle  des  früheren  Aktivums  von  200  Millionen
Kronen  haben  wir  jetzt  mit  einem  Passivum  zu  rechnen,  das
heuer  mehr  als  600  Millionen  Kronen  betragen  wird.  Also  eine
800  Millionen  überschreitende  Verschiebung  zu  unseren  Ungunsten.
Es  ist  bemerkenswert,  daß  hieraus  bisher  keine  wesentlichen
Störungen  unseres  Geld-  und  Kreditwesens  entsprungen  sind.
Dies  würde  zu  einer  optimistischen  Auffassung  berechtigen;  wir
müssen  aber  das  bedeutende  Passivum  der  Handelsbilanz  doch
durch  Verkauf  unserer  Papiere  ins  Ausland  oder  durch  Prolongierung ­
  und  Vergrößerung  unserer  ausländischen  Kredite  regulieren, ­
  was  nur  dann  möglich  ist,  wenn  der  Zinsfuß  bei  uns
höher  als  in  den  anderen  Staaten  gehalten  wird.  Dazu  kommt
die  Gefahr  plötzlicher  Rücksendungen  unserer  Wertpapiere  und
Krediteinschränkungen,  die  gerade  dann  leicht  eintreten,  wenn
dies  wirtschaftlich  am  nachteiligsten  ist.
5.
Dem  Einflüsse  der  Zollpolitik  auf  die  Produktion  sind  ihre
Wirkungen  auf  den  Konsum  gegenüberzustellen,  die  sich  deshalb ­
  so  stark  fühlbar  machen,  weil  sie  mit  der  aus  verschiedenen
Ursachen  entspringenden  allgemeinen  Teuerung  Zusammentreffen.
Zu  dieser  wirken  mit:  Das  Wachstum  der  Bevölkerung  und  des
Kapitals;  durch  die  Vergrößerung  der  Nachfrage  wird  in  den
Industriestaaten  ein  wachsender  Importbedarf  an  Nahrungsmitteln
und  Rohstoffen  hervorgerufen,  zugleich  aber  die  Exportfähigkeit
der  Agrarstaaten  verringert.  Andrerseits  setzen  sich  die  großen
produktions-  und  verkehrstechnischen  Umwälzungen  nicht  dauernd
in  dem  Tempo  des  19.  Jahrhunderts  fort;  da  z.  B.  die  Frachtkosten ­
  von  New  York  nach  Liverpool  für  1  Bushel  Weizen  von
16  Cents  des  Jahres  1875  auf  5  Cents  im  Jahre  1895  gesunken
sind,  können  sie  nicht  oder  doch  nicht  in  gleichem  Maß
Zeitschrift  für  Volkswirtschaft,  Sozialpolitik  und  Verwaltung.  XXI.  Band.  2
            
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