fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
Diese Behauptung ist etwas überstürzt; sie drückt sich um den ge 
wichtigsten Einwurf herum, denn die angeblich gleichmäßige Bedürfnis 
reihe, von der uns Rodbertüs spricht, besteht nur in seiner Einbildung. 
In Wirklichkeit gibt es eine kleine Anzahl von Kollektivbedürfnissen und 
eine unendliche Mannigfaltigkeit von Einzelbedürfnissen. Das „soziale Be 
dürfnis“ ist nur ein unbestimmter Ausdruck, um zur gleichen Zeit beides zu 
bezeichnen. Die einfachste Beobachtung zeigt uns bei jedem Individuum 
eine besondere Reihe von Bedürfnissen und Neigungen. Wenn man die 
Produktion auf ein angebliches „soziales Bedürfnis“ gründet, so bedeutet 
dies tatsächlich die Abschaffung der Freiheit des Verbrauchs und der 
Nachfrage. Es läuft auf dasselbe hinaus, als ob die Gesellschaft allen 
Menschen eine willkürliche Skala von zu befriedigenden Bedürfnissen vor 
schreiben und aufzwingen würde. Das Heilmittel Rodbertüs’ würde 
daher schlimmer als das Übel sein. 
Die Beweisführung Rodbertüs’ ist aber nicht mit der Gegenüber 
stellung von „sozialem Bedürfnis“ und „wirksamer Nachfrage“ erschöpft- 
Es genügt auch nicht, diesen Gegensatz festzustellen. Er muß erklärt 
werden. Warum lassen sich die Produzenten von der Nachfrage und nicht 
von dem Bedürfnis leiten? Er antwortet, dies beruhe darauf, daß die 
Besitzer der Arbeitsmittel unter der heutigen Ordnung ihre Produktion 
nur im Hinblick auf ihr eigenes Interesse einrichten. Ihr Interesse liege 
nun darin, ihre Produktionsmittel auf die Erzeugung derjenigen Gegen 
stände zu verwenden, die ihnen den größten Nettoertrag bringen. Die 
Rentabilität und nicht die Produktivität (nämlich die zur Befriedi 
gung des sozialen Bedürfnisse, bestimmten Erzeugnisse) interessiert sie- 
„Sie veranlassen irgendwelche Produktion überhaupt nicht mehr zum 
Zweck der Deckung des Nationalbedürfnisses, sondern weil sie ihnen 
Rente, Gewinn verheißt“ (Kapital, S. 143). 
Dieser Gegensatz zwischen der Rentabilität und der Produktivität 
ist bedeutsam genug, um einen Augenblick dabei zu verweilen. Schon 
Spsmondi hat darauf hingewiesen, der, wie wir wissen, das Streben nach 
dem Nettoertrag dem nach dem Bruttoertrag gegenüber stellt. Zahlreiche 
Schriftsteller haben sich seitdem mit dieser Frage beschäftigt. In der 
Geschichte der Doktrinen spielt sie daher eine bedeutende Rolle 1 )- 
') Die Frage des Netto- und des Bruttoertrages ist eine der wesentlichen Be 
schäftigungen der Volkswirtschaftler dieser Zeit. Vidal (Röpartition des richesses, 
Paris 1846, S. 219), und Ott (Traitfi d’6*eonomie sociale, 1851, S. 95ff.) bestehen 
nachdrücklich darauf. Seitdem haben sie Cournot, Dühring und weiterhin Effert* 
und Landry von neuem in Angriff genommen. Die meisten definieren „Produktivität' 
in verschiedener Weise (wenn sie sich überhaupt zu einer Definition herbeilassen), 
so daß es in Wirklichkeit nicht dieselbe Frage ist, die sie behandeln. Bei Rodbertüs 
hat, wie wir im Texte zeigen werden, das Wort Produktivität einen zu unbestim 1 » 6 ® 11 
Sinn, um überhaupt als Grundlage einer Diskussion dienen zu können. In Wirklich' 
keit^ist in einer auf der Arbeitsteilung beruhenden Produktionsordnung die R eI1 '
	        
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