Full text: Laienbrevier der National-Ökonomie

94 
5. Kapitel 
ersterem Fall von einer „günstigen", im letzteren von 
einer „ungünstigen" Handelsbilanz fabulieren. Man 
kann sich denken, wie dann die Schlußfolgerungen aus 
solchen Prämissen aussehen. 
Die Tatsache, daß gerade die reichsten Länder es 
sind, die andauernd eine sogenannte ungünstige Handels 
bilanz haben, hätte doch stutzig machen müssen, ob 
die Ñnschauungen, die man da verbreitete, auch wirk 
lich stimmten. 
Ñn der Spitze aller dieser Staaten steht England 
mit einem Überschuß der Einfuhr über die Ausfuhr 
im Jahre 1904 von 180 Millionen Pfund, gleich 
3600 Millionen Mark. 
Märe die Theorie richtig, daß diese ungeheure waren- 
menge wirklich jedes Jahr im kleinbürgerlichen Sinne 
bezahlt werden müßte, dann stände man allerdings 
vor einem Rätsel, weil sich der ganze Barbestand der 
Bank von England nur zwischen 700 und 1000 Millionen 
Mark bewegt, wo sollte dann all' das Geld Herkommen? 
Schließlich suchte man sich, um nur bei Leibe die liebe 
Theorie nicht umzustoßen, damit zu helfen, daß man 
diesen Überschuß zu erklären suchte durch Frachtein 
nahmen, Zinsen auf in der Fremde angelegte Ra 
pitalien usw. In diesen so eingehenden Summen sah 
man allerdings eine Bereicherung des Landes,' aber 
da die Transportkosten doch nur ein absolut unzer 
trennlicher Teil des Güterverteilungsprozesses sind, so 
ist der versuch, hieraus eine Vermehrung, aus 
den andern Importziffern aber eine Verminderung 
des Volksvermögens konstruieren zu wollen, nur er 
klärlich durch die sehr undankbare ñufgabe, unlieb 
same Tatsachen mit einer liebgewonnenen Theorie in 
Einklang zu bringen, welche Unlogik in dieser künst-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.